500 Ärzt*innen aus Kuba sollen der süditalienischen Region Kalabrien helfen, vorübergehend die chronischen Personalprobleme im öffentlichen Gesundheitssystem zu beheben. Der Präsident Kalabriens, Roberto Occhiuto von Berlusconis rechter Forza Italia, hat ein Abkommen mit der kubanischen Regierung für die Entsendung von Ärzten zur Unterstützung der Krankenhäuser in Kalabrien unterzeichnet.

Angesichts von Pensionierungen, Privatisierungen und Suspendierungen von Nichtgeimpften herrscht in den italienischen Krankenhäusern ein Ärztemangel. Das von der kubanischen Botschaft und der kubanischen Ärztegesellschaft unterzeichnete Kooperationsabkommen mit unbestimmter Dauer soll Kalabriens Gesundheitssystem helfen, bis zur Einstellung von neuen Ärzt*innen über die Runden zu kommen. Das Abkommen sieht vor, dass Kuba 500 Fachkräfte zur Verfügung stellt, die je nach Bedarf nach Kalabrien entsandt werden sollen. Im September sollen die ersten etwa 33 Ärzt*innen eintreffen, die bereits Italienisch sprechen. Kubanische Ärzt*Innen waren bereits während der Pandemie in der Lombardei zum Einsatz gekommen. (siehe kommunisten.de: Italien verabschiedet cubanische Mediziner*innen)

„Wir haben dasselbe getan, was die nördlichen Regionen in einem anderen Notfall getan haben. Und wir werden dieses System so lange nutzen, bis die freien Stellen in den Krankenhäusern besetzt werden können“, sagte Occhiuto und beteuert: „Niemand hier will italienische oder kalabresische Ärzte verdrängen. Im Gegenteil, wir sind bereit, sie einzustellen, und zwar auf unbestimmte Zeit. Aber in unserem Land und insbesondere in Kalabrien sind wir derzeit mit konkreten Schwierigkeit konfrontiert, Ärzte zu finden und einzustellen.“

Die Ärztegewerkschaft kritisiert die Initiative der Region Kalabrien. Laut Cosmo De Matteis von der Italienischen Ärztegewerkschaft (SMI) seien kubanische Ärzte nicht die Lösung des Problems. „Ohne den kubanischen Ärzten, die international zu den besten der Welt gehören, etwas absprechen zu wollen, ist es fraglich, ob es wirklich notwendig ist, den Atlantik zu überqueren, um Italiener zu behandeln und ob nicht eine landesinterne Lösung hätte gefunden werden können. Die strukturellen Probleme des kalabresischen Gesundheitswesens müssen angegangen werden, um den gesundheitlichen Bedürfnissen der Bürger gerecht zu werden“, sagte er.

Laut Gesundheitsstaatssekretär Pierpaolo Sileri müsse der öffentliche Gesundheitsdienst für Ärzt*innen und Angehörige der Gesundheitsberufe wieder attraktiver werden. Viele medizinische Fachkräfte würden nach ihrem Studienabschluss ins Ausland gehen oder in der Privatwirtschaft arbeiten. Viele würden das öffentliche Gesundheitssystem im Alter von 50 Jahren verlassen. Niedrige Gehälter, Personalmangel und folglich schwerere Arbeitsschichten seien Ursache dieser Situation. In einigen medizinischen Bereichen wie der Notaufnahme und Notfallabteilungen sei die Lage besonders kritisch.

In den letzten 3 Jahren hat Italiens Gesundheitsdienst durch Pensionierungen, Todesfälle, aber auch freiwillige Austritte aus dem öffentlichen Gesundheitswesen fast 21.000 Fachärzt*innen verloren. Von 2019 bis 2021 schieden 8.000 Mediziner*innen vor der Pensionierung aus dem Gesundheitssystem aus, davon 2.886 im Jahr 2021. Dazu gehören auch Impfgegner*innen, die sich der seit Mai 2021 geltenden Impfpflicht widersetzten und ihre Stelle verlassen haben oder aus dem Dienst entfernt wurden. So wurden im Dezember letzten Jahres 281 ungeimpfte kalabrische Ärzt*innen von den Gesundheitsbehörden bei der Arbeit „überrascht“ und sind bis heute vom Dienst suspendiert. Dies erscheint umso absurder, als das Gesetz, das eine Pflichtimpfung gegen „Covid“ vorschreibt, voraussichtlich in einigen Monaten ausläuft.

Der Originalartikel kann hier besucht werden