Weltweite Verkäufe von ausgezeichnetem Olivenöl hat 300 arabischen Frauen zu mehr Selbstbestimmung verholfen.

Von Coco Cresswell

1996 hatte Hadas Lavah, eine jüdisch-israelische Sozialaktivistin, eine Vision: eine Zukunft der arabisch-israelischen Koexistenz. Im selben Jahr begann sie durch Mitbegründung von Sindyanna of Galilee ein frauengeführtes soziales Unternehmen, das Olivenöl und andere regionale Produkte herstellt, diesen Traum umzusetzen.

Mit Sitz im Norden Israels übernimmt die Firma von unten einen Ansatz zur Durchsetzung einer positiven Veränderung im Palästina-Israel-Konflikt, der komplexesten Krise im Mittleren Osten entstanden vor 1948. Der Erlös, den Sindyanna aus dem Verkauf lokaler Produkte, inklusive dem mit Preisen ausgezeichneten nativen Olivenöl und das weltweit verkauft wird, einnimmt, wird in die Gemeinde zurückinvestiert, sei es in Form von Arbeitsplätzen und Bildung für arabische Frauen oder Entwicklung nachhaltiger Landwirtschaft oder der Förderung der Zusammenarbeit zwischen Arabern und Israelis.

Coco Cresswell hat mit Hadas über ihre Mission gesprochen und im Folgenden die schriftlichen Antworten.

Coco: Wie ist Sindyanna of Galilee gewachsen?

Hadas: Wir begannen als kleines Start-up mit Verkauf von regionalen Produkten (teilweise Olivenöl) in Majd al Krum, einem arabischen Dorf im Norden Galiläas. Wir sind im Laufe der Zeit sowohl wirtschaftlich als auch beruflich gewachsen. 2005 zogen wir in das Industriegebiet von Kafr Kanna um. Heutzutage ist Sindyanna of Galilee der einzige zertifizierte Fairtrade Olivenölproduzent in Israel, der inmitten der arabischen Landesbevölkerung arbeitet. Dadurch verfügen wir über fundiertes Fachwissen und einen praktischen Ansatz, um unsere Kapazitäten auszubauen und echte Veränderungen zu erzeugen.

Auf welchen Wegen hat Sindyanna of Galilee der Förderung der arabisch-israelischen Koexistenz beigetragen?

Sindyanna of Galilee fördert aktiv die Konzepte von „sozialen“ Unternehmen und Fairtrade in Israel. Wir schaffen dies durch den Verkauf des Olivenöls arabischer Produzenten und anderer hochwertiger Produkte mit Fairtrade-Standards auf dem internationalen Markt und dann der Zuführung unseres Erlöses in die Förderung der Bildung für arabische Frauen.

Unsere Arbeit zielt auf Überbrückung kultureller Unterschiede, Förderung nachhaltiger Landwirtschaft und Unterstützung biologischen Anbaus.

Wir glauben, dass unsere mehrfachen internationalen Auszeichnungen ein Beweis für die Möglichkeit des Friedens und der Solidarität im Mittleren Osten sind. Unsere Arbeit als Kolleginnen arabischer und jüdischer Frauen ist die ultimative Antwort auf die jüngste Gewalt, Krieg und Zerstörung des Gazastreifens, die wir in letzter Zeit erlebten. Deren Anstrengung ist ein Beispiel, wie wir unsere Gesellschaft wieder auf faire Grundlage aufbauen können.

Wie siehst du Sindyanna of Galilees Unterstützung für sowohl arabische als auch israelische Frauen in der Zukunft?

Wir glauben, dass die Botschaft hinter Sindyanna stärker wird und mehr Unterstützung sowohl von der lokalen als auch der internationalen Gemeinschaft bekommt. Wie die Coronapandemie uns lehrte, braucht unsere Welt mehr Solidarität, was die DNA unserer Organisation ist. In der Zukunft werden wir verstärkt unsere Aktivitäten für nachhaltigere Landwirtschaft und grüne Umweltprojekte, wie die hydroponische, ausbauen. Es gibt so viele Möglichkeiten zu wachsen und einflussreicher zu werden, aber am Ende hängt es von jedem Einzelnen ab!

Wie unterscheidet sich Sindyanna of Galilee von anderen Organisationen?

Sindyanna sticht zwischen anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen in Israel hervor, weil sie geschafft hat, ein wirtschaftliches Modell mit einer einzigartigen sozialen und politischen Botschaft zu vereinen.

Unser jüdisch-arabischer Aufbau ist ein Zeichen unserer Vision, in welcher für eine gleiche Gesellschaft gearbeitet wird, in der sich um die Anliegen aller Bürgerinnen und Bürger gekümmert wird. Dies liegt auch in unserer Fairtrade-Identität zugrunde: wir arbeiten daran, die benachteiligte arabische Wirtschaft in Israel auf die Ebene der jüdischen zu bringen. Wir lehnen es ab das Verhältnis dieser beiden Volkswirtschaften als ein Nullsummenspiel zu betrachten, was bedeutet, dass falls eine gewinnt, die andere verliert: das läuft zu Lasten aller. Es füttert Gefühle der Verbitterung, welche sich dann als Gewalt zeigen.

Wie viel Arbeitsplätze hat Sindyanna seit 1996 geschaffen? Erzähl uns mehr über die Bildungsmöglichkeiten, die ihr anbietet.

Beschäftigung arabischer Frauen ist eines der Hauptziele von Sindyanna of Galilee. Beschäftigung ist das wirkungsvollste Werkzeug gegen persönliche und kommunale Armut. Sindyanna ist selbst auf Hausfrauen zugegangen und ihnen Möglichkeiten aufgezeigt, wie sie mit ihrem Können am Einfachsten eine Anstellung finden können, wie zum Beispiel in Hydrokulturen, Catering und Korbflechterei. 300 Frauen wurden von Sindyanna professionell geschult und sind nun unabhängig. Manche von ihnen haben sogar angefangen, Kurse für andere Frauen und Kinder in Vereinen und Schulen anzubieten. 900 andere Frauen haben den ersten Schritt gemacht, indem sie das Haus verlassen und an dem Kurs teilnehmen, und den Mut gefasst, sich weiterzubilden und sich auf Jobsuche zu begeben.

Was war die größte Herausforderung, der sich Sindyanna gestellt hat?

Die größte Herausforderung mit der wir als Nonprofit-Organisation gegenüberstehen, ist unser Ziel weiterzuverfolgen, gute Olivenölproduzenten zu werden. Olivenöl zu produzieren ist nicht einfach. Alle Frauen, die wir anstellen, kommen aus verschiedenen soziowirtschaftlichen Verhältnissen und haben wenig bis gar keine berufliche Erfahrung in der Herstellung von Olivenöl. Als wir mit Sindyanna begannen, entschieden wir uns dafür, dass wir allen arabischen und israelischen Frauen helfen wollten ohne Rücksicht auf ihren Bildungsstand. Somit ist sie zu befähigen und ihnen beizubringen, wie man gute Qualitätsprodukte herstellt, eine große Herausforderung für uns – es braucht viel Bewusstsein und Investition, um dorthin zu kommen, wo wir heute stehen!

Von wie vielen Landwirten kauft ihr Oliven? Wie hat sich diese Zahl seit 1996 verändert? Was sagt das über die Meinung der Landwirte der Koexistenz von Arabern und Israelis aus?

1996 starteten wir mit einer kleinen Gruppe an Landwirten in Deir Hanna im Norden Israels. Mittlerweile kaufen wir Oliven von 15 großen Gruppen an Landwirten, die ungefähr 100 Familien repräsentieren. Die wachsende Beteiligung in den regionalen Gemeinschaften besagt, dass mehr und mehr Leute eine Zukunft möchten, in der die Rechte aller respektiert wird. Wir können nicht darauf warten, dass Politiker eine magische Lösung finden. Es macht keinen Sinn, dass ein Palästinenser und ein Israeli nebeneinander wohnen können und nur einer bekommt einen Ausweis und die Freiheit umherzureisen. Die arabischen und israelischen Frauen, denen wir mit Sindyanna helfen, kämpfen weiter von unten für die Koexistenz.

Gab es irgendeine negative Reaktion oder Antwort für die Arbeit, die ihr macht? Falls ja, kannst du uns ein Beispiel nennen und wie ihr damit umgegangen seid?

Bis jetzt ist Sindyanna und die Arbeit, die wir betreiben, bei Allen gut aufgenommen worden. Wir haben mitbekommen, dass manche Familien arabischer Frauen sich dagegen sträuben, dass ihre Töchter und Frauen arbeiten und als Arbeitnehmer wahrgenommen werden. Ein wichtiger Aspekt der Unterstützung, die wir bekommen, ist weil wir vorsichtig auf die Situation zugehen: wir verbringen viel Zeit damit, sorgfältig zu erklären, was unser Traum ist, was bedeutet, dass falls bestimmte Leute nicht mit unseren Zielen einverstanden sind, trotzdem unsere Arbeit respektieren.

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Inga Holmgeirsson vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!

Der Originalartikel kann hier besucht werden