Offener Brief an Greta Thunberg

10.06.2021 - Santiago de Chile - Rodrigo Infante Varas

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch verfügbar.

Offener Brief an Greta Thunberg

Liebe Greta Thunberg,

ich schreibe dir diesen Brief und bedauere, dass du im Dezember 2019 wegen der Absage des Umweltgipfels, der in unserem geliebten Land stattfinden sollte, letztendlich nicht nach Chile kommen konntest. Ich wurde im November 2018 geboren und hätte dich deshalb bei mir zu Hause erwartet.

Wenn du nach Chile gekommen wärst, hätten wir uns sehr gefreut, dass du dir die Zeit genommen hättest, nach Arica zu reisen, der nördlichen Grenze von Chile, wo Chile und Schweden zusammentreffen, wegen einer bedauerlichen Geschichte von 20.000 Tonnen Giftmüll, der im Jahre 1984-1985 in Arica abgelagert wurde. Eine Gruppe von Einwohnern unserer Stadt hatte dich eingeladen, damit du dir das ansehen kannst, aber leider konntest du nicht kommen. Der angesammelte Giftmüll sorgt immer wieder für Probleme bei der Bevölkerung. Kinder und ältere Menschen leiden an Krebs, skelettbedingten Fehlbildungen, Lernproblemen und vielen anderen Krankheiten, die durch den hohen Gehalt an Blei, Arsen, Kadmium und Kupfer verursacht werden, und anderen chemischen Elementen des Giftmülls.

Schweden und Chile verbindet eine lange Geschichte von Freundschaft und Geschwisterlichkeit. Schweden hat eine große Gruppe von Chilenen aufgenommen, die 1973 vor der Pinochet-Diktatur geflohen sind. Sie wurden von Schweden sehr freundlich aufgenommen, und immerhin fanden ungefähr 2.000 Menschen eine neue Heimat in deinem wunderschönen Land.

Zurück zur Gegenwart, es ist eine Schande, dass die schwedische Regierung die Verhandlungen nicht im Detail überwacht hat, die die Privatunternehmen von Schweden (Boliden Mineral AB) und von Chile (Promel Ltda.) führten, um diese 20.000 Tonnen Abfall zu verschiffen. Beide Regierungen waren sich des Problems bewusst und hätten es regeln können, angesichts der anhaltenden Folgen, die dieses Geschäft für die chilenische Bevölkerung haben würde, so dass Schätzungen zufolge bis zum heutigen Tag mehr als 12.000 Menschen davon betroffen sind und die Auswirkungen bis heute noch anhalten.

Der gegenwärtige Zustand der Mülldeponie ist, dass sie von einer etwa 2 Meter hohen Mauer umgeben ist, aber der Luft ausgesetzt ist, was zur Folge hat, dass der Wind und die Vögel, die sich auf dem Gelände aufhalten, kontaminiert werden. Der verseuchte Staub wird durch den Wind hochgewirbelt, lagert sich auf den benachbarten Häusern ab, gelangt dann in die menschlichen Zellen und verursacht die bereits nachgewiesenen medizinischen Probleme. Je nach Windrichtung und -stärke können sich die Folgen wesentlich ausweiten. Heute, 37 Jahre später, nach dem ersten Anlegen einer Giftlagerstätte, bleiben die Gegebenheiten bestehen und werden sich auch weiterhin auf die zukünftigen Generationen auswirken, solange sie den gegenwärtigen Bedingungen ausgesetzt sind.

Die konkrete Maßnahme, die meiner Meinung nach ergriffen werde sollte ist, den gesamten angesammelten Giftmüll abzuholen und ihn nach Schweden zu schicken, zurück an den Ausgangsort, und das Gebiet, wo der Müll gelagert wurde, hermetisch abzuriegeln, dies sollte man an erster Stelle tun. Um diese Aufgabe zu bewältigen, bedarf es des Willens und das Geld der Unternehmen, die dieses Problem verursacht haben, und wenn sie sich nicht daran beteiligen, dann sollten es die Regierungen beider Länder tun, die es versäumt haben, das verfassungsmäßige Recht der Menschen auf ein Leben in einer umweltfreundlichen Umgebung durchzusetzen.

Dieser Fall wurde, wie dir vielleicht bekannt ist, von einer Gruppe chilenischer Familien vor die schwedischen Gerichte gebracht, und die schwedischen Gerichte entschieden gegen die Bevölkerung von Arica, weil sie behaupteten, dass der Fall verjährt sei, weil es mehr als 10 Jahre her ist. Die Wahrheit ist, dass der Fall noch immer existiert und seine Folgen heute noch Realität sind; tausende von Menschen sind dem Giftmüll noch immer ausgesetzt und werden es weiterhin sein, so lange diese Angelegenheit aus sozial-ökologischer Sicht nicht richtig geregelt wird. Dies ist eine dringende Sache.

Derselbe Wind, der dich mit der Yacht, die keine Treibhausgase produziert, nach Chile bringen sollte, vergiftet in Arica die Kinder und die Bevölkerung, die um die 230.000 Menschen erreicht hat. Aufgrund der Auswirkungen auf die Zugvögel und die Gegend, wer weiß, welche weiteren Lebens- und Naturräume heute bedroht sind.

Ich habe keine Ahnung, wie viel Geld nötig ist, um so etwas wie das, was ich vorschlage, zu tun. Es wurde bisher nicht kalkuliert, aber ich weiß, dass es für die beteiligten Unternehmen bedeutungslos ist und noch unbedeutender für die beiden Länder Schweden und Chile. Wie viel Leid muss geschehen, damit der Ehrgeiz nur so groß ist, dass man träumen und neue Projekte machen kann, ohne zu weit zu gehen und anderen Menschen zu schaden? Du bist ein Mädchen, genau wie ich, und ich hoffe, dass noch viele Lebensjahre vor dir liegen, und dass wir uns eines Tages treffen. Ebenso hoffe ich, dass ich, die selbst in Arica lebt, keine gesundheitlichen Probleme haben werde, genauso wenig wie andere Menschen, die ich liebe und die mir wichtig sind.

Falls du einen Beitrag leisten kannst, damit die Öffentlichkeit auf diesen Fall aufmerksam wird und die Verantwortlichen für dieses Problem etwas tun müssen, bin ich dir sehr dankbar. TAK, TAK.

Adela Maugard Infante

Arica – Chile

P.S.: Mein Großvater, Rodrigo Infante Varas, hat diesen Brief für mich geschrieben. Ich bin erst 2 ½ Jahre alt, aber ich hoffe, dass ich bald alt genug bin, damit wir uns treffen können. Ich hoffe, dass es dazu kommen wird.

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Doris Fischer vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige! 

Informationsquellen:
https://www.dw.com/de/giftm%C3%BCll-exporte-aus-schweden-belasten-chilenische-gemeinde-seit-%C3%BCber-30-jahren/a-51498333
http://www.olca.cl/oca/promel.htm
https://www.dw.com/es/residuos-t%C3%B3xicos-suecos-envenenan-a-una-comunidad-chilena-durante-30-a%C3%B1os/a-51514417
https://www.emol.com/noticias/Nacional/2019/03/27/942596/20-mil-toneladas-de-desechos-toxicos-en-el-patio-La-historia-detras-del-juicio-que-Arica-perdio-en-Suecia.html
www.elmostrador.cl
https://www.fayerwayer.com/2019/10/greta-thunberg-arica-visita/

Kategorien: Meinungen, Ökologie und Umwelt, Südamerika
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