Indigene Völker leben in Not, Sorge und Angst aufgrund der illegalen Aktivitäten und der Gefahr von Quecksilberkontamination

Illegale Bergbauaktivitäten haben tagtäglich Auswirkungen auf indigene Völker in Brasilien. Das Vordringen des „wilden Bergbaus“ stört die Dynamik und das Leben der Gemeinden im Norden des Landes.

Frauen sind die Hauptleidtragenden des illegalen Bergbaus und tragen eine dreifache Last: Sie leiden nicht nur unter den Auswirkungen des giftigen Quecksilbers und der Pflege der Kranken in den Gemeinden, sondern werden auch Opfer sexistischer und frauenfeindlicher Formen von Gewalt.

Eine indigene Frau, die lieber anonym bleiben möchte – und in einer so gewaltbereiten Region lebt, dass die Redaktion es vorzog, nicht einmal ihre grobe Ortsangabe preiszugeben, um weitere Bloßstellungen zu vermeiden – bestätigte, dass die Gebiete, die von den Minenarbeitern besetzt sind, zu extremen Gefahrzonen werden. „Sie tragen Gewehre mit sich herum, sie trinken viel und sehen uns [die Frauen] als leichte Beute. Einmal haben sie ein Mädchen entführt und sie kam nie wieder zurück“, erzählt sie.

Berichte über Bedrohungen, Entführungen und Vergewaltigungen seien an der Tagesordnung, so die junge Frau. Als Mutter von zwei Kindern geht sie nicht mehr in bestimmte Gegenden, aus Angst, dass ihren Kindern oder ihr selbst etwas passieren könnte.

Trunkenheit, Drogenhandel und Drogenkonsum haben Einzug in die Gemeinden gehalten und treffen die Jugend härter. Diese Verhaltensweisen wurden mit zunehmenden Verstößen in Verbindung gebracht.

Die Generaldirektorin der Allianz der indigenen Frauen im brasilianischen Amazonasgebiet (União das Mulheres Inígenas da Amazônia Brasileira¸UMIAB), Telma Taurepang, behauptet, dass illegaler Bergbau die psychische Gesundheit der indigenen Frauen zerstört.

„Frauen sind vom unlizenzierten Bergbau stärker betroffen, sie werden depressiv durch die Gewalt der Eindringlinge. Es macht ihnen ständig Angst – sie sind traumatisiert“, erklärt sie.

Ihre Schwermut resultiert aus der Gewalt, die in den Territorien herrscht – Sexualverbrechen, Bedrohungen und der Verlust von Angehörigen zum Beispiel. Der Alltag innerhalb der Grenzen der indigenen Gebiete ist stark von kriminellen Aktivitäten geprägt, da diese Ereignisse letztendlich die Normen des täglichen Lebens diktieren.

„Minenarbeiter sind Männer, richtig? Sie sind auf der Suche nach Reichtum, und das führt zu vielen Konflikten. Sie respektieren die Frauen nicht. Frauen in den illegalen Minen gehen der Prostitution nach, sie sind dazu da, den Dienst zu leisten, den die Bergleute von ihnen wollen. Es gibt keinen Respekt, weil sie die Frauen als ihre Objekte sehen, die dazu da sind, ihnen zu dienen“, prangert Taurepang an.

Krankheiten beherrschen die Dynamik der Gemeinden

Quecksilbervergiftungen und Krankheiten, welche die indigene Bevölkerung befallen, sind reale und sich ausbreitende Probleme in Brasiliens nördlichster Region. „Indigene Frauen kümmern sich um das Essen der Gemeinschaft. Daher schadet ihr Kontakt mit verunreinigtem Wasser der Gesundheit aller“, führt die Aktivistin aus.

Brasilien: Die Auswirkungen von illegalem Bergbau auf Frauen

Aktuelle und geplante indigene Territorien in Brasilien. Limongi – Eigenes Werk – Wikimedia – Public Domain

Bei schwangeren Frauen kann der Kontakt mit der Substanz neben anderen Komplikationen zu fötalen Missbildungen und Entwicklungsverzögerungen führen. Die Folgen einer Quecksilbervergiftung bei Kindern und Erwachsenen können zum Tod führen.

Marizete de Souza, stellvertretende Koordinatorin der Sektion des Indigenen Rates in Roraima (Conselho Indígena de Roraima, CIR) in der Bergregion, betont ebenfalls, dass die Quecksilberverschmutzung im Fluss, in den Fischen, im Boden und in der Luft Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit hat und auch eine Ursache für die Unterernährung in den Gemeinden ist.

„Meine Mutter ist wegen der Minenarbeiter-Invasion gestorben. Sie bringen viele Krankheiten wie Malaria mit. Bergbau ist keine Art zu leben, es ist eine Art zu sterben“, behauptet das CIR-Mitglied.

In letzter Zeit ist der illegale Bergbau auch für die Verbreitung von COVID-19 verantwortlich. Fast 53.000 Ureinwohner wurden infiziert. Dies führte zum Tod von 1.048 Menschen aus 163 indigenen Völkern in Brasilien, so eine Untersuchung des Nationalen Komitees für indigenes Leben und Gedenken (Comitê Nacional de Vida e Memória Indígena).

Allianzen und institutioneller Kampf

„Die Gesetze kommen von oben, aber die Gesetzesentwürfe und die Vorschläge für Verfassungsänderungen haben direkte Auswirkungen auf die indigenen Völker. Wir müssen uns genau überlegen, wen wir wählen, um unsere Städte und Bundesstaaten zu regieren, um in den Kongress, den Senat und die Präsidentschaft zu kommen“, verteidigt Telma Taurepang.

Die Leiterin der UMIAB weist auf die Wichtigkeit von Allianzen gegen den illegalen Bergbau hin: „Wir [Frauen] haben uns immer mehr gegen den Bergbau zusammengeschlossen, der illegal ist. Unser Kampf ist, dass der Bergbau hier nicht mehr stattfindet. Der Präsident [Jair Bolsonaro] und seine [auf den Kongress ausgerichtete] Bank sind pro Bergbau“, sagt sie.

Wie Telma sich erinnert, hat die gesetzgebende Versammlung des Bundesstaates Roraima Anfang 2021 einen Gesetzesentwurf genehmigt und abgesegnet, der den Abbau aller Arten von Erzen im Bundesstaat erlaubt. Der Vorschlag stammte vom Gouverneur des Bundesstaates, Antônio Denarium, und wurde bald darauf vom Minister des Obersten Gerichtshofes (Supremo Tribunal Federal, STF), Alexandre de Moraes, ausgesetzt.

Brasilien: Die Auswirkungen von illegalem Bergbau auf Frauen

Antonio Denarium, Governador deRoraima e comitiva – 46754912395.jpg / Dieses Bild wurde ursprünglich auf Flickr von Palácio do Planalto unter https://flickr.com/photos/51178866@N04/46754912395 (Archiv) veröffentlicht. Es wurde am 17. Juni 2019 von FlickreviewR 2 überprüft und es wurde bestätigt, dass es unter den Bedingungen der cc-by-2.0 lizenziert ist.

Die gesetzliche Genehmigung erstreckte sich auf den Bergbau ohne vorherige Prüfung und erlaubte den Einsatz von schweren Maschinen bei der Landausbeutung, wie Schiffen und Baggern. Auch Quecksilber wurde zugelassen.

„Ich habe noch nie einen nachhaltigen Bergbau gesehen – einen Bergbau, der die Umwelt nicht schädigt“, behauptet die Aktivistin. Ihrer Meinung nach müssen die brasilianischen Ureinwohner gehört werden: „Wir haben kluge Köpfe, eine Menge Perspektiven und Ideen für die nächsten Generationen. Lasst uns also die sozialen Strategien für die indigenen Völker weiter entwickeln“.

Text von Martha Raquel, die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Anita Köbler vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!