Javier Tolcachier: Alternative Kommunikation aus der Erfahrung von Pressenza

11.03.2021 - Javier Tolcachier

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Javier Tolcachier: Alternative Kommunikation aus der Erfahrung von Pressenza
(Bild von Gerd Altmann auf Pixabay | CC0)

Im Rahmen des Diskussionszyklus über alternative Kommunikation sprach der Herausgeber von Pressenza, Javier Tolcachier, über die Kommunikationserfahrungen der Agentur.

Diese Seminare zur kritischen Bildung und gegen den Neoliberalismus in der Bildung wurden organisiert vom Internationalen Forschungszentrum – Other Voices in Education (CII-OVE) in Allianz mit den Organisationen CEIP-H, MAEEC, Masa Critica, Savia, Kavilando, Mujer Pueblo-Magisterio, dem Vizerektorat der Universität von Panama, Emancipación, CIPCAL, dem Kollektiv Kaichuk Mat Dha, Red Global/Glocal por la calidad educativa und dem Kollektiv Martin Luther King Center, Uruguay.

Tolcachier betonte die Notwendigkeit, Kommunikation als grundlegendes Thema in die Bildung einzubeziehen, um das Bildungspotenzial gegenüber dem permanenten Ansturm der Inhalte von Medienkonzernen zu stärken.

Er sprach nicht nur über die Grundlagen des in der Arbeit von Pressenza gelebten kommunikativen Handelns, das auf dem Gedankengut von Silo basiert, sondern er betonte auch die Notwendigkeit, die Verbreitung des Prinzips der Gewaltfreiheit zu erweitern, um auf die kommende Welt vorzubereiten – eine Welt, „von der erwartet wird, dass sie äußerst multikulturell und interkulturell sein wird und geprägt von Gleichheit, Vielfalt, Horizontalität zwischen Menschen, Geschlechtern, Völkern und Kulturen“.

In seiner Präsentation erläuterte er die Kooperationsstrategien der Agentur sowie ihr Engagement für Trainingsprozesse in der Kommunikation für Gewaltfreiheit.

Der Kolumnist wies auf die Notwendigkeit hin, uns auf diesen Blickwinkel vorzubereiten, indem wir die strukturelle Beziehung zwischen der menschlichen Innenwelt und den sozialen Situationen wahrnehmen und daran arbeiten, sie gleichzeitig aus einer humanistischen Perspektive zu verändern.

Im Folgenden lesen Sie den vollständigen Beitrag.

Alternative Kommunikation und der Bildungsprozess

Die einzig mögliche entwicklungspolitische Bedeutung von Bildung ist eine emanzipatorische, eine Bedeutung, die auf die Transformation der gegebenen Bedingungen und die Überwindung jener Faktoren abzielt, die auf persönlicher und sozialer Ebene Schmerz und Leiden erzeugen. Eine Sinngebung, die es uns erlaubt, durch grenzenloses Lernen zu wachsen.

Um Paulo Freire zu zitieren, ist die wahre Bildung „Praxis, Reflexion und Aktion in Bezug auf die Welt, um sie zu verändern“.

Alternative Kommunikationsprozesse verfolgen ein ähnliches Ziel, begleiten gerechte soziale Kämpfe, öffnen das Bewusstsein für neue Möglichkeiten und rebellieren gegen monopolistische Diskurse, deren Zweck die Akzeptanz unwürdiger und überholter Zustände ist.

Beide Prozesse, Bildungs-Emanzipation und alternative Kommunikation, teilen einige Werkzeuge wie Ausdruck und Inhalt, die nicht nur vermitteln und übertragen, sondern diese auch kritisch auseinandernehmen und neu zusammenfügen, um neue Möglichkeiten der Realität zu schaffen.

So wie das Lernen nicht auf formale Bildungsräume reduziert ist, sind auch die in diesen Räumen vermittelten Normen und Werte nicht immun gegen den Kommunikationsraum. Dieser Raum umfasst heute alles, vom Aufstehen bis zum Zubettgehen, wo immer wir sind.

Um in der Bildung erfolgreich zu sein, glauben wir daher, dass die Bildung Kommunikation als ein zu lehrendes Thema einbeziehen sollte, da sie Verbündete oder Konkurrentin sein kann.

Natürlich reduziert sich die Kommunikation nicht auf die bisher angesprochene mediale oder intermediäre Art. Obwohl es offensichtlich ist, muss auch auf die grundlegende Bedeutung der direkten Kommunikation, des Dialogs und seiner reibungslosen Handhabung durch alle Parteien in jedem Gruppenprozess, sei es in der Bildung oder in der Politik, hingewiesen werden, weshalb die Relevanz des Themas immer eine besondere Aufmerksamkeit nahelegt.

Um auf das zentrale Thema dieser Präsentation zurückzukommen, können wir sagen, dass Bildung Verbündete der Kommunikation in einer transformierenden Weise sein kann, indem sie von den ersten Jahren des Lernens an einen kritischen und enthüllenden Blick für die Absicht stärkt, die jedem Erzeugnis zugrunde liegt, sei es ein Objekt oder etwas eminent Subjektives, wie Information und Kommunikation im weitesten Sinne.

Diese Enthüllung der Absichten, die das wahre Grundgerüst der menschlichen Geschichte darstellt, veranlasst uns zu einem Kommentar über die Perspektive der Kommunikation, die die Arbeit unserer Agentur Pressenza prägt.

Kommunikation aus einer gewaltfreien Perspektive

Pressenza ist eine internationale Nachrichtenagentur mit humanistischem Anspruch, die Ereignissen, Initiativen, Vorschlägen und Szenarien im Zusammenhang mit Frieden, Gewaltfreiheit, Abrüstung, Menschenrechten und dem Kampf gegen alle Formen von Diskriminierung Priorität einräumt. Sie stellt den Menschen in den Mittelpunkt und fördert die Vielfalt. So schlägt sie einen aktiven und klaren Journalismus vor, der diese wesentlichen Prämissen respektiert und auf die Lösung von Krisen und sozialen Konflikten weltweit abzielt.

In diesem Zusammenhang verbreiten wir Studien, Analysen und Aktionen, die zum Weltfrieden und zur Überwindung von Gewalt beitragen, mit den Schwerpunkten auf nuklearer und konventioneller Abrüstung, friedlicher Konfliktlösung, Konfliktprävention und dem Rückzug aus besetzten Gebieten.

Gleichzeitig prangert sie jedes Ereignis und jede Situation an, die Schmerz und Leiden in der Bevölkerung verursacht, und versucht, die Ursachen dieser Ereignisse zu entschlüsseln und zu transformieren, indem sie über die bloße Zuschauerrolle hinausgeht.

Die Agentur wurde im Jahr 2008 gegründet, um den 1. Weltweiten Marsch für Frieden und Gewaltfreiheit mit Informationen zu unterstützen. Sowohl die Agentur als auch der Marsch, an dem sich weltweit Millionen von Menschen beteiligten, wurden von der Humanistischen Bewegung gefördert.

Diese Bewegung stellt den Menschen als zentralen Wert und Anliegen in den Mittelpunkt und hat ihre Wurzeln in den Lehren des Argentiniers Mario Luis Rodríguez Cobos – besser bekannt unter seinem Pseudonym Silo -, der 50 Jahre lang eine Lehre und Praxis entwickelte, die auf die gleichzeitige Transformation von Individuum und Gesellschaft abzielt.

Zu seinen Hauptbeiträgen gehört das Thema der Intentionalität als bestimmendes Element des Menschen, ein Thema, das von Husserls Phänomenologie abgeleitet ist. Weitergehend schlägt Silo als Definition des Menschen die eines „geschichtlichen Wesens, dessen Form des sozialen Handelns seine eigene Natur transformiert“ vor.

Abgesehen von den vielfältigen Implikationen dieser Definition ist diese Prämisse von grundlegender Bedeutung für jeden Prozess der Informationsübertragung, sei es im Bildungs- oder Kommunikationsbereich.

Die Leugnung der Absicht eines Menschen objektiviert ihn, macht ihn zum Objekt und bildet den Hintergrund für Gewalt, in jeder ihrer vielfältigen Formen: physische, ökonomische, psychologische, ethnische, religiöse oder moralische Gewalt.

Daher propagiert der Humanismus – in Übereinstimmung mit seiner eigenen ideologischen Konsequenz – die Gewaltfreiheit als die einzig mögliche Methodik für die Beziehungen zwischen Menschen und den ihnen innewohnenden Beweggründen für die Veränderung einer gegebenen Situation.

Hier gilt es, ein weiteres Vorurteil auszuräumen, das oft mit der Gewaltfreiheit verbunden wird, indem man sie mit einer passiven, kontemplativen, naiven Haltung in Verbindung bringt oder sie auf einen Pazifismus reduziert, der von den sozialen Widersprüchen, die dem Militarismus zugrunde liegen, abgekoppelt ist.

Gewaltlosigkeit ist eminent aktiv, transformierend und hat von Natur aus die unbestreitbare und moralische Position, um die Unterstützung großer Gruppen zu gewinnen. Und in der gesellschaftlichen Praxis sehen wir, dass sich dies heute bereits als Konsens der Bevölkerung gefestigt hat.

Javier Tolcachier: Alternative Kommunikation aus der Erfahrung von Pressenza

Javier Tolcachier

Diese gewaltfreie Haltung muss kommuniziert werden, ihr Einfluss muss ausgeweitet werden, das Verständnis und der Glauben an ihr transformatives Potenzial muss gestärkt werden. Um eine Kultur der Gewaltlosigkeit zu etablieren, die die nächsten Entwicklungsstufen der Menschen unterstützt, ist es notwendig, zu zeigen, dass jeden Tag Millionen von gewaltfreien Ereignissen stattfinden, und Informationsmatrizen zu generieren, die ein Gegengewicht zur Manipulation des Medienapparats der gewalttätigen Macht bilden, die daran interessiert ist, ihre illegitimen Handlungen und ihre Permanenz zu rechtfertigen.

Die Absicht von Pressenza beschränkt sich nicht darauf, die etablierte Gewalt in ihren vielfältigen Formen anzuprangern, sondern zielt auch darauf ab, in einem vorausschauenden Sinn über sich anbahnende oder bereits laufende Alternativen zu informieren, um Horizonte effektiver Veränderung zu stärken.

Gleichzeitig hat die Kommunikation aus einer expliziten Perspektive der Gewaltfreiheit den Zweck, ein bewusstes Festhalten an dieser Lebenseinstellung zu fördern und die Möglichkeiten für Gruppen zu vervielfachen, sich an Versuchen zur Veränderung ihrer Umwelt beteiligen zu können. Ebenso hat die Kommunikation aus einer Perspektive der Gewaltfreiheit die Aufgabe, die Menschen von der Notwendigkeit der Kohärenz und der Selbstreflexion zu überzeugen; einer Reflexion über die persönlichen Erfahrungen, die sie mit sich tragen und die, wenn sie nicht ausreichend integriert sind, den gewünschten sozialen und historischen Wandel verlangsamen oder verhindern können.

Bildungsprozesse der Kommunikation für Gewaltfreiheit

Ein zentraler Aspekt der Arbeit von Pressenza ist die Förderung von Bildungsprozessen in Bezug auf Gewaltfreiheit und deren Umsetzung im Bereich der Kommunikation. Diese Ausbildung ist wesentlich, um ihre informativen Zwecke in angemessener Weise zu erfüllen, aber auch um Lernmethoden zu verbreiten und zu entwickeln, die dazu beitragen, eine humanistische Haltung als eine Art der zwischenmenschlichen und sozialen Beziehungen zu formen und zu festigen.

Der Ausgangspunkt dieser Bildungsprozesse ist es, das Vorurteil zu zerstreuen, dass Gewalt Teil der menschlichen Natur ist, denn wenn dieses fixe Vorurteil bejaht wird, ist jede Anstrengung, es zu überwinden, sinnlos. Wenn dieses schädliche Axiom Bestand hat, ist es schwierig zu akzeptieren, dass Menschen auch freundlich oder mitfühlend sein können, oder dass sie miteinander kooperieren können, da eine angeblich gewalttätige „Natur“ eine solche Haltung verhindern würde. Aber wenn man akzeptiert, dass Menschen so oder so sein können, dann läge in ihrer „Natur“ die Möglichkeit der Wahl und nicht die Gewalt.

Die Behauptung, dass Gewalt dem menschlichen Verhalten immanent ist, und die Idee der menschlichen Natur selbst wurden benutzt, um Gräueltaten und Verbrechen zu rechtfertigen, basierend auf angeblich unterschiedlichen Naturen, klassifiziert durch eine angeblich vorherbestimmte Ordnung, deren moralistische Interpreten und unmoralische Auftraggeber sich in der Regel an die Spitze der Skala stellten.

Zum Thema „menschliche Natur“ ist es sinnvoll, dies mit einem kurzen Zitat von Silo zu illustrieren:[i]

„Die Erweiterung des zeitlichen Horizonts des menschlichen Bewusstseins ermöglicht diesem eine verzögerte Reaktion auf Reize und ihre Eingliederung in einen komplexen geistigen Raum, in dem Überlegungen, Vergleichstätigkeiten und Schlussfolgerungen möglich sind, die außerhalb der unmittelbaren Sinneswahrnehmung stattfinden.

Mit anderen Worten: Beim Menschen gibt es keine menschliche »Natur«, es sei denn, wir betrachten diese »Natur« als eine von den Tieren abgrenzende Fähigkeit, sich in Zeiträumen außerhalb des Horizonts der unmittelbaren Sinneswahrnehmung zu bewegen. Oder anders gesagt: Wenn es etwas »Natürliches« im Menschen gibt, dann nicht im mineralischen, pflanzlichen oder tierischen Sinn, sondern in dem Sinn, dass das Natürliche in ihm die Veränderung, die Geschichte, die Wandlung ist.

Diese Idee der Veränderung verträgt sich nicht ganz mit der Idee der »Natur« und deshalb benützen wir dieses Wort lieber nicht, wie man es oft getan hat, womit man viele den Menschen zugefügten Ungerechtigkeiten begründet hat.“

Und in einer späteren Passage:

„Und nun sind wir von der Idee der menschlichen Natur schon sehr weit entfernt. Wir sind beim Gegenteil angelangt. Ich will damit sagen: Wenn das Natürliche das Menschliche erstickt hatte durch eine Ordnung, die den Menschen mit der Vorstellung der Unverrückbarkeit aufgezwungen wurde, sagen wir jetzt das Gegenteil: Das Natürliche muss menschlich gemacht werden, und dieses Humanisieren der Welt erhebt den Menschen zum Schöpfer des Sinns, der Richtung, der Wandlung.“

Aus dieser strukturellen Beziehung zwischen dem menschlichen Bewusstsein und der Welt, aus einem offensichtlichen Bedürfnis im Menschen, die Bedingungen des Lebens zu verändern, wird eine Konzeption konstruiert, die es uns erlaubt, dynamisch über eine persönliche und soziale Evolution hin zu gewaltfreien Gesellschaften und sozialen Subjekten nachzudenken.

So wie der Mensch in einer intimen und wechselseitigen Beeinflussung mit der ihn umgebenden Umwelt gedacht wird, so wird auch das Feld der menschlichen Innerlichkeit in einer ständigen Verbindung mit der umgebenden Äußerlichkeit gewürdigt.

Deshalb arbeitet das Einüben der gewaltfreien Haltung an der Überwindung persönlicher, zwischenmenschlicher und sozialer Faktoren, die Schmerz und Leid erzeugen, Faktoren, die sich durch ihre Projektion in innere und äußere Gewalt rückkoppeln.

Einfacher ausgedrückt: Wir hoffen, dass diese Art der Kommunikation durch Bildungsprozesse in der Praxis der Gewaltfreiheit und der Kommunikation auf beide Parteien in einem Dialog einwirkt und nicht nur diejenigen verändert, die Informationen erhalten, sondern auch diejenigen, die sie produzieren.

Pressenza’s Strategien und Entwicklung

Von Anfang an hat sich Pressenza auf Elemente des angesammelten Prozesses der Humanistischen Bewegung gestützt – die Schulung, die ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder und die Möglichkeit, Korrespondent*innen in verschiedenen Ländern und Kulturen zu haben.

Was die Freiwilligkeit betrifft, so ist diese nicht nur ein Merkmal einer zweifellos praktischen Ordnung, sondern ermöglicht auch die Zusammenarbeit von Hunderten von aktivistischen Kommunikator*innen und die Ausdehnung von Pressenza über Länder- und kulturelle Grenzen hinaus. Die freiwillige Haltung impliziert Großzügigkeit und sich eine Lebensweise zu eigen zu machen, die sich den von einem niederträchtigen System auferlegten Werten widersetzt.

Über das Überlebensbedürfnis hinaus, das durch die gerechte Verteilung des gesellschaftlich Produzierten – das schon heute die Bedürfnisse der gesamten Weltbevölkerung bei weitem übersteigt – perfekt erfüllt werden könnte, rebelliert der Humanismus gegen den Glauben, der allen Formen menschlicher Entfremdung zugrunde liegt: nämlich, dass jeder produktiven Handlung eine monetäre Entlohnung entsprechen muss und diese daher eine zentrale Motivation für die Existenz ist.

Gleichzeitig gibt die Freiwilligkeit der Agentur völlige Handlungsfreiheit, und sie muss ihre redaktionelle Linie keinem festen oder wechselnden Sponsor anpassen.

Was die internationale Präsenz betrifft, so hat diese neben der Bedeutung, Informationen aus verschiedenen Kontinenten in derzeit 9 Sprachen bereitstellen zu können und die Veranstaltungen in einen globalen Kontext zu stellen, einen wesentlichen zusätzlichen immateriellen Wert.

Aufgrund der Verflechtung und des wachsenden Kontakts zwischen allen Kulturen befinden wir uns in der Gegenwart der ersten planetarischen Zivilisation der Menschheitsgeschichte. In Anbetracht dessen ist es notwendig, Verständnis, Konvergenz und ein Gemeinschaftsgefühl zwischen den verschiedenen kulturellen Prozessen zu schaffen – ein Ziel, das Pressenza durch die Bereitstellung von Informationen über den Reichtum der Vielfalt, die gewaltfreie Lösung von Konflikten, den geopolitischen Multilateralismus, die Wiedergutmachung von historischem Leid und die Versöhnung zwischen den Völkern verfolgt.

In Zeiten sozialer Brüche und im gleichen Geist der Annäherung an die Säulen der Gewaltfreiheit und des Kampfes gegen alle Formen der Diskriminierung öffnet die Agentur ihre Türen für eine beträchtliche Anzahl von Mitarbeitenden, wobei ihre nationalen oder sprachlichen Redaktionen einen autonomen Charakter annehmen, der ihnen ein wichtiges Maß an Handlungsfreiheit gibt.

Diese Eigenschaft der Autonomie ermöglicht es, redaktionelle Prioritäten von lokaler, nationaler, regionaler oder sogar kultureller Relevanz zu setzen, die sich den Bedürfnissen des Augenblicks anpassen, aber auch einen inneren Geist der versammelten Vielfalt zu schaffen, der zweifellos die Debatte und Vertiefung von Themen einschließt, über die es nicht unbedingt eine automatische redaktionelle Übereinstimmung gibt.

In seiner Entwicklungsstrategie hat Pressenza kollaborative Beziehungen zu einer Achse seines Handelns gemacht. Die Schaffung und Aufrechterhaltung von Kommunikationsnetzwerken zusammen mit Medien und Agenturen aus allen Regionen der Welt schaffen die notwendigen Bedingungen, um die Manipulation von Informationen durch Agenturen, die den öffentlichen Diskurs hegemonisieren, zu verdrängen und gleichzeitig neue gemeinsame Bedeutungen von Solidarität, Kooperation und Integration vorzuschlagen.

Projektion

Während wir das Handwerk der Kommunikationsproduktion weiterhin üben und perfektionieren, stehen wir heute vor der gleichen Herausforderung wie all jene, die eine tiefgreifende und dauerhafte Revolution wollen, aus der eine neue Matrix von Beziehungen, eine neue soziale Organisation mit humanistischen Merkmalen und ein neuer Mensch hervorgehen.

Diese Herausforderung besteht darin, einen dialogischen Kontakt mit großen Gruppen von Menschen herstellen zu können, die Schicht der Oberflächlichkeit zu durchdringen, die durch den Mangel an Bildung und Kommunikation eines grausamen kapitalistischen Systems verursacht wird, das heute versucht, sich durch neue Technologien neu zu erfinden.

Die Herausforderung, diesen Dialog neuer Bedeutungen Wirklichkeit werden zu lassen, wird nicht nur durch die offensichtliche Verschlechterung der objektiven Situation, in der die Menschen heute leben, erleichtert, sondern auch durch die zunehmende Schwächung der Paradigmen, die eine Art von sozialer Organisation unterstützten, die nun obsolet ist.

Angesichts der Ungewissheit und Instabilität, die diese Situation hervorruft, tauchen jedoch auch das Rückschrittliche, das Konservative als provisorische Stütze und als illusorische Kompensation für die Unruhe der Situation auf.

Die Menschheit braucht dringend neue Fundamente, auf denen sie ihren zukünftigen Horizont aufbauen kann, einen Horizont, von dem erwartet wird, dass er intensiv multikulturell und interkulturell sein wird, ein Horizont von Gleichheit, Vielfalt und Horizontalität zwischen Personen, Geschlechtern, Völkern und Kulturen.

Um dieses Bild Wirklichkeit werden zu lassen, besteht die Herausforderung darin, sich mit jener tiefgreifenden Antriebskraft zu verbinden, die den Menschen seit Anbeginn der Geschichte zwischen Zweifeln und Gewissheiten, zwischen Erfolgen und Irrtümern hin zu unerreichbaren Utopien bewegt hat, die später zur vollen und unbestreitbaren Realität wurden.

Um Freire zu zitieren:

„Indem sie sich im Prozess der Geschichtsschreibung als Subjekte und Objekte selbst machen und umgestalten, werden Frauen und Männer zu Wesen der Einfügung in die Welt und nicht der reinen Anpassung an die Welt und haben schließlich im Traum auch einen Motor der Geschichte. Es gibt keine Veränderung ohne Traum, genauso wie es keinen Traum ohne Hoffnung gibt“[ii].

Und um Silo zu zitieren:

„Die Prophezeiung, die den Untergang der Welt ankündigt, ist nutzlos und bösartig. Ich bekräftige meine Überzeugung, dass der Mensch nicht nur weiterbestehen wird, sondern dass er grenzenlos wachsen wird. Und ich füge hinzu, dass diejenigen, die das Leben verleugnen, jede Hoffnung – das pochende Herz der menschlichen Handlung – stehlen wollen.“[iii]

Es lohnt sich also, es zu versuchen.

Vielen Dank

Video des Vortrages auf Spanisch:

Übersetzt aus dem Englischen von Elena Heim, überarbeitet von Reto Thumiger und Harald Freyer, alle drei vom ehrenamtlichen Pressenza-Team. Wir suchen Freiwillige!


[i] Silo, Einiges über das Menschliche, in: Silo Spricht, M. Uzielli Verlag
[ii] Paulo Freire, Pedagogy of Hope, Bloomsbury
[iii] Silo, Die Erde menschlich machen, Edition Pangea

Kategorien: Gewaltfreiheit, Humanismus und Spiritualität, Kultur und Medien
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