Religion trifft Klimawandel

12.02.2021 - Robert Hunziker

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Italienisch verfügbar.

Religion trifft Klimawandel
Stuart and Greta at a Fridays For Future rally in Stockholm Sweden.

Die Klimaerwärmung ist die größte Herausforderung aller Zeiten. Sie hat Einfluss auf alle Lebewesen. Trotzdem sind die daraus folgenden Gefahren schwer zu verstehen, weshalb viele Menschen sie nur als ein weiteres Problem im Leben ansehen, das sich schon irgendwie von selbst lösen wird. Keine Sorge. Der menschliche Einfallsreichtum wird schon eine Lösung finden. 

Aber was machen wir, wenn es nicht so einfach wird?

Stuart Scott, ausführender Produzent von Facing Future.TV, welches Teil der von Scott gegründeten United Planet Faith & Science Initiative (UPFSI.org) ist, weiß besser als fast jeder andere, dass es eben nicht so einfach wird. Er ist einer der Wenigen, nahezu die Ausnahme, die sich gegen das komfortablere Leben und für den Kampf gegen das größte Problem des 21. Jahrhunderts entschieden haben.

Auf diesem Weg hat Scott immer wieder beeindruckende Erfolge erzielt und den Klimawandel direkt in die Herzen der religiösen Führer der Welt gebracht und weltweit wissenschaftliche und politische Vorreiter beeinflusst. 

Insbesondere stellte er 2018 die 15-jährige Greta Thunberg der COP24 (Conference of the Parties, Konferenz der Vertragsparteien) in Polen vor. Sie wurde über Nacht zu Berühmtheit und klärte die Welt, insbesondere die Jugend mit der Bewegung #FridaysforFuture, über die Gefahren des Klimawandels auf. Mit ihrem mutigen Einsatz in Schweden und ihrer Einflussnahme auf das Parlament beeindruckte sie Scott und ermöglichte sie somit eine weltweite Bühne. Ihre mutigen Bemühungen, das Parlament in Schweden zu beeinflussen, um die globale Erwärmung zu bekämpfen, verschafften ihr weltweite Anerkennung.

Scott passt sich nicht an die Normen und Kultur des Mainstream-Lebens an und erntet dennoch große Anerkennung und Respekt von der wissenschaftlichen Gemeinschaft für seinen unermüdlichen Einsatz im Hintergrund, bei dem er im Alleingang die Vertreter der verschiedensten Glaubensgemeinschaften auf die Kraft und Schönheit der Natur aufmerksam macht. Diese ist von der „unendlichen Wachstumsökonomie“ bedroht, verursacht durch unseren Konsum, der anderthalb Erden entspricht und nicht mehr lange tragfähig ist.

Scott hält sich nicht an die Normen des Mainstream-Lebens, obwohl er innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft als eine außerordentlich wirksame Kraft hinter den Kulissen bekannt und respektiert ist. Im Alleingang versetzt er Berge, indem er seinen persönlichen Kreuzzug führt und vorantreibt, um religiöse Führer aller Glaubensrichtungen zu inspirieren, den Kräften der Natur Beachtung zu schenken, die in den eisernen Klauen der räuberischen „unendlichen Wachstumsökonomie“ innerhalb der anthropogenen Ära gefangen sind. Ein bemerkenswertes geologisches Zeitalter mit riesigem menschlichen Fußabdruck, der jetzt anderthalb Erden verbraucht und wahrscheinlich nicht mehr lange tragfähig ist.

Stuarts Motivation ist tief verankert und begann bei seinem Einsatz für Al Gores Oskar-gekrönten Dokumentarfilm „Inconvenient Truth“ (Eine unbequeme Wahrheit, 2006). Er nahm 2007 an Gores Trainingsprogramm teil und hielt im Jahr danach über 100 öffentliche Vorträge. In einem Brief vom Februar 2009 schrieb der ehemalige Vizepräsident der Vereinigten Staaten: „Ich lobe Sie für Ihre Arbeit, die dazu beigetragen hat, dass das Bewusstsein und das Verständnis für die Klimakrise stark gewachsen sind.“ Bis heute stehen beide in Kontakt, obwohl Stuart den Klimawandel als deutlich dringender betrachtet als Gore.

Dies inspirierte ihn zur Teilnahme an der Klimakonferenz COP14 in Polen 2008. Diese Enthüllung war der Startschuss für sein Markenzeichen, die Interfaith Declaration on Climate Change von 2009 (InterfaithDeclaration.org), die ins Leben gerufen wurde, um religiöse Führer zu inspirieren und zu motivieren, gemeinsam mit Wissenschaftlern die Türen für eine gründliche Untersuchung des sich gefährlich verändernden Klimasystems des Planeten zu öffnen und gleichzeitig die politischen Entscheidungsträger zu drängen, schnell und ohne Zögern Lösungen zu finden. Schließlich zeigten die Ökosysteme, vor allem dort, wo niemand lebt, der das Geschehen beobachtet, bereits erste Anzeichen des Zusammenbruchs.

Seine Arbeit wurde von religiösen Führern wie dem Dalai Lama und dem Erzbischof Desmond Tutu begeistert aufgenommen, wobei Letzterer mit Hinblick auf die grandiosen Pläne Scotts bemerkte, „er brauche einen Klon von sich“ bei so vielen Aufgaben. 

Schon bald nach dem Start von Scotts Kampagne, Glauben und Wissenschaft im Kampf gegen die globale Erwärmung zu verbinden, erhielt er Anerkennung. Nach seiner Teilnahme an einem Zwischentreffen in Bangkok im April 2011, als Auftakt zur COP17 in Durban, hieß es in einer internationalen Pressemitteilung über Stuart: „Mann aller Glaubensrichtungen kämpft für das Klima“, Agence France-Presse (AFP) d/d April 8, 2011, und man hob seine herkulischen Bemühungen hervor, den Kurs der Menschheit zu ändern: „Scott, ein 62-jähriger Amerikaner, der sich selbst als Mann aller Glaubensrichtungen betrachtet, glaubt, dass die Kräfte der Religion einen positiven Einfluss auf die quälenden diplomatischen Bemühungen zur Lösung der globalen Erwärmungskrise haben können.“

Scott fuhr zum COP17 in Durban im Dezember 2011, bei dem UN Klimachefin Chistiana Figueres die beeindruckende Selbstlosigkeit aller Beteiligten der Interfaith Declaration lobte. Der UN-Weltrat religiöser Führer, der Weltrat der Kirchen, der Zentralrat des Baha’i-Glaubens sowie säkulare Organisationen wie Greenpeace, McKibbens 350.org und das Center for Biological Diversity unterstützten Scotts interreligiöse Erklärung.

Der Heilige Stuhl und Stuart Scott

Spiritualität und Weitsicht haben schon immer eine große Rolle in Scotts Leben gespielt. Bevor er Papst Benedikt eine ganz besondere Botschaft überbrachte, betete er am Fuße des Kreuzes in der Basilika der heiligen Klara, von der der heilige Franziskus gesagt haben soll, sie habe zu ihm gesprochen und gesagt: „Repariere meine Kirche, die in Trümmer fällt.“ Scott ist weder katholisch noch christlich, dennoch erlebte er das Gemurmel einer Reihe von heiteren, ätherischen Stimmen, die Ermutigung flüsterten, Worte, die in Stuarts Geist widerhallten. Im Stillen bat er um Führung, wie es ihm gelingen könnte, die handschriftliche Botschaft von Yvo deBoer, dem damaligen Exekutivsekretär der UNFCCC, persönlich zu überbringen, in der Papst Benedikt zur COP15 in Kopenhagen eingeladen wurde. Seine Gebete wurden, wie Scott es beschreibt, von einem ruhigen aber klaren Flüstern beantwortet: „Mache es so wie ich es getan habe.“

Er erhielt ein Empfehlungsschreiben von einem hochrangigen Kleriker als Einladung für eine Audienz mit dem Papst. Dabei gelang es Scott einen Beutel mit 300 persönlichen Nachrichten aus der ganzen Welt mitzubringen, die den Papst zur UN-Klimakonferenz COP15 in Kopenhagen im Dezember 2009 einluden. 

Danach wurde „Kanzelkraft“ zu Scotts Motto, da er mit seinem Ehrgeiz und seiner Hoffnung, die religiösen Vertreter weltweit aufforderte, Fürsprache für eines der dringendsten Angelegenheit aller Zeiten, einem sich gefährlich beschleunigenden Klimasystems, das die Gesellschaft als Ganzes nur schwer verstehen kann, zu halten.

Papst Benedict nahm nicht an COP15 teil, äußerte jedoch einen Tag vor der Konferenz seine überzeugende Meinung am katholischen Weltfriedenstag. „Die Menschheit muss ihre Lebensweise überdenken“. Als „grüner Papst“ sprach er sich für „nüchternere Lebensstile“ aus, mit einem geringeren Energieverbrauch und effizienten Maßnahmen wie Solarenergie und Waldmanagement. Vertraute von Scott und UN-Mitarbeiter waren überzeugt, dass Scott den Papst davon überzeugt habe.

Stuart Scott hat, ähnlich wie viele Staatsoberhäupter, wichtige Persönlichkeiten weltweit beeinflusst und/oder getroffen, darunter Greta Thunberg, Al Gore, Dr. James Hansen, Dr. Peter Wadhams, Dr. Katharine Hayhoe, Dr. Michael Oppenheimer, Dr. E. O. Wilson, Ela Gandhi (Enkelin von Mahatma Gandhi), Jane Goodall, Christiana Figueres, Amy Goodman, Naomi Klein, Autor und Journalist Dahr Jamail, Noam Chomsky, Bill McKibben, Präsident Barack Obama, den Dalai Lama, Erzbischof Desmond Tutu, Rabbis Jonathan Sachs und David Rosen, H. H. Swami Chidanand Saraswati, Phra Bramhapundit (der oberste spirituelle Führer des thailändischen Buddhismus), Baron Rowan Williams von Oystermouth (ehemaliger Erzbischof von Canterbury), Patriarch Bartholomew (geistliches Oberhaupt der orthodoxen Ostkirche), Cardinal Peter Turkson, Papst Benedict XIV, und Papst Franziskus.

Er nahm an 10 der letzten 13 Vertragsstaatenkonferenzen der Kyoto-Protokolle (COPs), also Weltklimakonferenzen, teil und wurde zu einer festen Größe bei den Veranstaltungen. Um auf die drohende Klimakatastrophe, wie sie die Menschheit noch nie erlebt hat, aufmerksam zu machen, führte er für ScientisWarning.TV und ClimateMatters.TV, teil des von ihm gegründeten ScientistsWarning.org, Interviews und Diskussionsrunden. 

Anfängliche Zeichen für den Klimawandel wurden schon deutlich als Stuart 2008 seine Mission begann. Deshalb war ein göttliches Eingreifen, zusätzlich zu wissenschaftlichen Fakten, notwendig, um dieses Problem zu bewältigen. Stuart Scott deckte diesen Bedarf als wissenschaftlich ausgebildeter, erfolgreicher Redner.

2016 traf Stuart Papst Franziskus persönlich, der ein Jahr zuvor (am 18. Juni 2015) seine bedeutende Enzyklika Laudato Si zur Klimagerechtigkeit veröffentlicht hat. Die „Bewahrung der Schöpfung“ ist eine der sieben Lehren der katholischen Orthodoxie.

Papst Franziskus, gelehrter Chemiker stellte – im Austausch mit den ihn beratenden Wissenschaftlern – deutlich fest: „Der Klimawandel ist die größte Bedrohung für unsere Erde, die wir je erlebt haben … und er ist menschengemacht.“ Er beschrieb die gnadenlose Ausbeutung und Zerstörung der Umwelt, die er mit Gleichgültigkeit, rücksichtsloser Profitjagd, übertriebenem Vertrauen in Technologien und politische Kurzsichtigkeit begründet. 

„Noch nie haben wir unser gemeinsames Zuhause so verletzt und misshandelt, wie in den letzten 200 Jahren“ (Quelle: Enzyklika Laudato Si des Heiligen Vaters Franziskus)

Am 7. Dezember 2020 erhielt Scott eine E-Mail von Peter Kodwo Appiah Kardinal Turkson, der von Papst Franziskus als der erste Präfekt des neuerrichteten Dikasteriums für die Förderung der integralen menschlichen Entwicklung ernannt wurde und weithin als Papabile angesehen wird, und somit Kandidat für die nächste Papst-Wahl. Er schrieb Scott: „Ich habe Deine E-Mail und deine dringende Anfrage für die Teilnahme des Papstes an einem interreligiösen Treffen in Glasgow erhalten.“

In einer persönlichen Anmerkung bezog sich der Kardinal im Brief auch auf Scotts Kampf gegen den Krebs: „… dass es helfen und zur Heilung beitragen möge.“ Die Gebete für seine Genesung kommen auch vom Heiligen Stuhl.

Die UN-Klimakonferenz 2021, oder auch COP26 ist für den 1.-12. November 2021 in Glasgow, Großbritannien geplant. Für das Treffen werden sich wahrscheinlich 25.000 bis 30.0000 Teilnehmer aus der ganzen Welt in Glasgow treffen. 

Wird auch Papst Franziskus Scotts dringendem Aufruf folgen und daran teilnehmen?

Schon jetzt hat Kardinal Turkson Scott versichert, dass Papst Franziskus eine zuvor aufgenommene Nachricht schicken wird; hoffentlich wird er auch teilnehmen. 

Scotts unermüdliche Anstrengungen strategischer Arbeit der letzten 12 Jahre zeigen mehr und mehr Erfolg. Dies geschieht unter anderem durch eine Anfrage des Dikasteriums von Kardinal Turkson, einen Praktikanten für ökologische Ökonomie für den Heiligen Stuhl zu beschaffen.

Seinem stetigen Glauben und seiner tiefen spirituellen Verbundenheit verleiht Stuart Scott durch das Tragen eines kleinen Franziskus-Kreuzes und seiner regelmäßigen Kommunikation durch Meditation und Gebete mit den Erzengeln Michael und Raphael Ausdruck.

Seine weithin befürwortete Richtlinie bringt Wissenschaft und religiösen Glauben zusammen, was zu einer unerwarteten Begegnung mit dem Dekan der Klimawissenschaft, James Hansen, dem weltweit führenden Klimawissenschaftler und ehemaligen Direktor des NASA Goddard Institute for Space Science, führte, die sich zufällig in einem Restaurant in der Nähe des Campus der Columbia University trafen.

Dr. Hansen hatte die letzten 20 Jahre die Teilnahme an Klimaverhandlungen und dem Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change) vermieden. Scott jedoch überzeugte ihn, dass seine Kritik wirkungsvoller sei, wenn er an den Treffen teilnähme und von den Pressekonferenzen des UNFCCC aus kritisierte.

Dieses zufällige Treffen führte zu ihrer gemeinsamen Teilnahme an der COP21 in Paris 2015, bei dem sich die Nationen der Welt auf das bahnbrechende Pariser Klimaabkommen einigten. Am Ende tat Dr. Hansen die Verhandlungen als „ineffektiv“ ab. Die Lösung sei viel zu politisch, eine Illusion aus Hansens Sicht. Trotzdem überzeugte ihn Scott, weiterhin an zukünftigen Treffen teilzunehmen, um seine Position gegen politisch motivierte Scheinabkommen zu vertreten.

Doch nimmt Hansen an COP26 teil? Er stimmte zu, wenn auch Scott teilnähme. Dies ist jedoch aufgrund seines Krebses nicht gesichert. Nachdem er eine Woche zuvor eine Chemotherapie Behandlung hatte, wurde ihm für COP25 in einem Rollstuhl auf die Bühne geholfen.

Fast 2 Jahrzehnte lang arbeite Stuart Scott mit buddhistischen Mönchen, katholischen Priestern, Bischöfen, Kardinälen und Päpsten, Hindu Swamis, Sikh Granthi, christlichen Geistlichen und Wissenschaftlern daran, die Welt vor der Nachlässigkeit und Unwissenheit der Menschheit zu retten, die bei weitem der mächtigste Gegner der von der Wissenschaft entdeckten Fakten ist.

Stuart hat das ultimative Opfer erbracht. In dieser Hinsicht glaubt er, dass der extreme Dauerstress, der mit seiner Arbeit verbunden ist, wahrscheinlich zu seiner Krebserkrankung geführt hat. Er hat große Leistungen vollbracht, und das alles ohne finanzielle Unterstützung von außen, abgesehen von seinen eigenen schwindenden Ersparnissen.

Stuart Scotts Mission ist wichtig. Es ist eine ernste Aufgabe. Es ist eine harte Aufgabe. Sie ist selbstlos. Und doch macht er sie… die anspruchsvollste undankbare Arbeit der Welt.

Danke, Stuart!

Nachtrag: FacingFuture.TV kündigte kürzlich den Start einer besonderen Veranstaltung am 9. Januar 2021 an, die Stuart mit organisiert hat, bei der der Dalai Lama und Greta Thunberg zusammen mit führenden Wissenschaftlern fünf Kurzfilme mit dem Titel Climate Emergency diskutieren werden: Feedback Loops, erzählt von Richard Gere.

Details auf http://FacingFuture.Earth/

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Julia Mandel erstellt und die Lektorierung von Franziska Hübscher, beide vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam. Wir suchen Freiwillige!

Kategorien: Humanismus und Spiritualität, Ökologie und Umwelt
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