Wie kann ich einen Beitrag zur Energiewende leisten und Energieriese werden?

18.11.2020 - Reiner Helmuth

Wie kann ich einen Beitrag zur Energiewende leisten und Energieriese werden?
(Bild von machdeinenstrom)

Interview mit MachDeinenStrom

Wer sich bemüht, seine Wohnung, sein Haus, sein Ferienhaus, seine Hütte, sein Wohnmobil, seinen Park oder was auch immer möglichst nachhaltig und wenn möglich CO2 neutral zu bewirtschaften, der kommt an Solar-Energie auch in nördlichen Regionen des Globus nicht vorbei.

Im vergangenen Jahr 2019 produzierten PV-Anlagen in Deutschland 46,5 TWh elektrischer Energie (1).  Dabei stehen natürlich ganz große Player mit riesigen Flächen und großem Marktinteresse im Vordergrund. Inzwischen mischen auch die großen Stromerzeuger bei der Solarenergie mit. Der Markt ist umkämpft und manchmal stehen die Verbraucher beeindruckt, aber auch verwirrt, vor all den Angeboten, die es im Bereich der Solarenergie gibt.

Wer sich als Privatperson für erneuerbare Energien engagieren will, der sollte natürlich zuallererst einen Stromversorger auswählen, der nachhaltig arbeitet und seinen Strom aus regenerativen Energien gewinnt.

Wer aber noch mehr tun will, der kann zum Glück auch als Privatmensch dem Feld der Energieerzeugung mit relativ wenig Geld und technischem Aufwand aktiv werden und einen Beitrag zur Erreichung von Klimazielen leisten.

Eine Möglichkeit, die bei Pressenza bereits beschrieben wurde, ist die Installation einer Mini-Photovoltaik-Anlage (oft auch „Balkonkraftwerk“ genannt) im eigenen Wohnbereich (2).

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland wohnt zur Miete und die dort zur Verfügung stehenden Dach-, Gebäude und Balkonflächen sind immens groß. Dazu kommen die Flächen der Eigenheimbesitzer. Eine Beteiligung dieser Haushalte an der Energiewende kann einen entscheidenden Beitrag zu deren Gelingen leisten. Dass man dabei noch Geld sparen kann, macht das Konzept umso interessanter.

Wenn man sich mit dieser Möglichkeit auseinandersetzt und recherchiert, trifft man in Deutschland immer wieder auf die Webseite  „MachDeinenStrom.de“. Dort wird man sachkundig zu den Neuentwicklungen, rechtlichen Rahmenbedingungen, technischen Details und Anschaffungsmöglichkeiten eigener Mini-Solaranlagen beraten. Zudem erhält man aktive Unterstützung bei der regelkonformen Anmeldung der Geräte.

Pressenza  hatte die Gelegenheit, mit Christian Ofenheusle, dem Betreiber von MachDeinenStrom.de ein Interview zu führen.

Pressenza: Wer seid ihr und was sind die Ziele von MachDeinenStrom.de?

Christian Ofenheusle CO: Wir sind EmpowerSource, ein Start-up aus Berlin mit einer simplen Mission: Bis Ende 2024 eine Million Mini-Solar-Kraftwerke ans Netz zu bringen.
Hierzu überzeugen wir Netzbetreiber davon, die Anmeldung zu vereinfachen, vernetzen Anbieter und informieren und unterstützen Nutzer über unsere Plattform MachDeinenStrom.de (3).

Balkonkraftwerke scheinen eine ideale Lösung für Privatpersonen, umweltfreundlich Energie zu erzeugen. Was sind die Vorteile zu großen PV-Anlagen und welches Potential hat die Technologie?

CO: Über die Hälfte alle Haushalte in Deutschland ist bislang von der aktiven Teilnahme an der Energiewende ausgeschlossen. Mit Balkonkraftwerken wird dieses Potenzial erstmals aktiviert. Die wesentlichen Vorteile dabei sind, dass man wesentlich weniger investieren muss, das Kraftwerk sich wesentlich schneller bezahlt macht und man kaum bürokratische Hürden überwinden muss im Vergleich zu größeren Anlagen.
Wir gehen von einem Potenzial von 5 Millionen Geräten aus. Das ist im Vergleich zu anderen Schätzungen eher konservativ, sorgt aber bereits für über 2 Terawattstunden zusätzlicher sauberer Sonnenenergie pro Jahr.

Welche Haupthindernisse gibt es?

CO: Einerseits ist hier der Haltung einiger Netzbetreiber zu nennen, die sich etwa weigern, die Anmeldung entsprechend der aktuellen Normen zu vereinfachen, unnötige Dokumente einfordern oder widerrechtlich Gebühren für einen Zählertausch aufrufen. Andererseits gibt es rückständige Vermieter oder Hausverwaltungen, denen die Einheitlichkeit ihres Fassadenbildes wichtiger ist, als ein Beitrag zum Klimaschutz. Und dann ist da noch das ewige Damoklesschwert des Gesetzgebers. Noch fliegen die kleinen Geräte zum Teil unter dem Radar. Wenn aber die durch die Fossillobby geförderte Regulierungswut bei der Energiewende ihr gieriges Auge auch auf die kleinsten Kraftwerke richtet, bliebe wieder nur die Guerilla-Photovoltaik, also der nicht gemeldete Betrieb, zu welcher Balkonsolar-Pioniere bis 2017 bereits schon einmal gezwungen waren.

Wie sieht eure bisherige Erfolgsbilanz aus?

CO: Wir haben über 140 Netzbetreiber aus ganz Deutschland davon überzeugen können, die unbürokratische Anmeldung von Balkonkraftwerken über den kostenlosen Formularservice von MachDeinenStrom.de anzuerkennen. Dazu gehören die Stromnetze von Berlin, Stuttgart oder Dresden, das Bayernwerk, die E-DIS in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern und viele, viele mehr. Zudem haben wir über dieses Verfahren bereits eine Vielzahl an Kraftwerken zur regulären Anmeldung geführt.
Über öffentlichkeitswirksame Medien- und Messepräsenzen konnten wir zudem weitere Aufmerksamkeit auf das noch recht neue Thema lenken. Zudem fordern wir auch Unterstützung von politischer Seite. So gibt es etwa bereits mehrere Kommunen, ein Bundesland und auch weitere Akteure, welche die Anschaffung eines eigenen Kraftwerks finanziell fördern. Für Interessenten führen wir auf MachDeinenStrom.de eine Datenbank über alle bereits existierenden Förderprogramme und Vergünstigungen, auf die unsere Nutzer kostenlos zugreifen können.Wir wollen mit unserer aktuellen Petition unter change.org/balkonkraftwerk die Umweltminister aller Bundesländer davon überzeugen, die kleinen Kraftpakete in die jeweiligen Förderprogramme der Länder aufzunehmen.

Wie schätzt ihr die Chancen für Mini PV Anlagen im Rahmen der neuen EEG Umlage?

CO: Die EEG-Umlage spielt für das Balkonkraftwerk keine Rolle. Der Eigenverbrauch bei so kleinen Geräten ist umlagebefreit.
Die Novellierung des EEG möchte eine Marktintegration ausgeförderter EEG-Anlagen erreichen, scheitert in dieser Hinsicht aber kolossal. Quasi als Kollateralschaden wird im Kabinettsentwurf für die Novelle auch für Balkonkraftwerke der Smart-Meter zur Pflicht, sofern die Module in den Geräten aus alten EEG-Anlagen stammen. Das ist zwar aktuell noch irrelevant, da die meisten Geräte mit neuen Solarmodulen angeschafft werden, blockiert damit aber bereits heute schon eine mögliche Marktentwicklung, welche eine extreme Preiseduzierung und damit einen starken Push für die Kleinkraftwerke hätte bedeuten können.

Welche Veränderungen wünscht ihr euch, damit in Zukunft mehr Solarstrom erzeugt werden kann?

CO: Gesetzgeber: Finger weg vom Balkonkraftwerk, Netzbetreiber: Weg mit den Hürden, Vermieter und Hausverwaltungen: Denkt an eure Kinder statt an eure ästhetischen Ideale.

Habt ihr in der Zukunft vor, euer Tätigkeitsfeld noch zu erweitern?

CO: Wir bauen gerade unser Know-How im Hinblick auf Speichermöglichkeiten für Sonnenstrom aus. Hier möchten wir in Zukunft mehr machen. Zudem entwickelt sich auch beim Thema peer-to-peer Stromhandel und virtuelle Kraftwerke gerade ganz viel. Das sind Themen, die uns als Schnittstelle zu einer wachsenden Anzahl an Prosumenten naturgemäß sehr interessieren.

Wie sieht es global bei Möglichkeiten Mini-PV-Anlagen aufzustellen aus?

Welche Länder sind besonders fortschrittlich und welche besonders restriktiv, habt ihr da zahlen?

CO: Da wir nur im nationalen Umfeld aktiv sind, betrifft uns der internationale Status Quo nicht so sehr. Allerdings nehmen wir auch wahr, dass immer mehr Länder die Nutzung von Kleinsterzeugungsanlagen freigeben. Die Niederlande, Portugal, Österreich, die Schweiz, Luxemburg und Italien gehören bereits dazu. Die Regeln unterscheiden sich jedoch von Land zu Land und daher auch die Größe der Märkte. In den Niederlanden sollen einer kursierenden Aussage nach bereits über 200.000 Geräte am Netz sein. Leider konnten wir hierfür noch keine verlässliche Quelle finden. In Deutschland gehen die Schätzungen auch bereits auf über 100.000 Geräte, was wir nach Gesprächen mit vielen Anbietern für plausibel halten.

Pressenza dankt dir für dieses Gespräch und hofft, dass deine Anmerkungen und eure Webseite bei vielen dazu führen sich im Bereich der Mini-PV-Anlage zu engagieren und ein eigenes Balkonkraftwerk zu installieren.

Wer dazu auf dem Laufenden bleiben will sollte den Newsletter von MachDeinenStrom.de abonnieren (4).

Das Interview führte Reiner Helmuth, Pressenza Berlin

1.- https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/aktuelle-fakten-zur-photovoltaik-in-deutschland.html

2.- https://www.pressenza.com/de/2020/07/klimawandel-durch-mini-solar-anlage-bremsen-muessen-wir-solar-guerilleros-werden/

3.- https://machdeinenstrom.de/

4.-  https://machdeinenstrom.de/empfiehlt/newsletter-abo

 

Kategorien: Interviews, Ökologie und Umwelt, Unkategorisiert, Wissenschaft und Technologie
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