Universelles Grundeinkommen im Weltforum für Wasser, Erde und Klima sowie Vielfalt

24.06.2020 - Juana Pérez Montero

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Katalanisch verfügbar.

Universelles Grundeinkommen im Weltforum für Wasser, Erde und Klima sowie Vielfalt

Der Klimawandel wird nicht langsamer, wir werden das Leben nicht in den Mittelpunkt stellen, wenn es keine soziale Gerechtigkeit gibt und wir das Überleben der Menschheit nicht sicherstellen. Heute ist es möglich, die Armut auf der Welt mit einem Federstrich, jetzt sofort zu beenden, wenn ein universelles bedingungsloses Grundeinkommen für Jedermann eingeführt wird. Und wir wissen, dass es genug Wohlstand dafür gibt.

Während des Weltforums für Wasser, Erde, Klima und Vielfalt (Foro Mundial por el Agua, la Tierra, el Clima y la Diversidad), das von dem argentinischen Senator Andrea Blandini am diesjährigen Weltumwelttag (5. Juni) organisiert wurde, sprachen wir über das Recht aller Menschen auf Überleben und der möglichen Umsetzung eines Grundeinkommens.

Abschrift des Vortrags

Heute, am Weltumwelttag, treten wir dafür ein, das Leben als Mittelpunkt unserer Werte zu stellen. Heute können wir nicht ignorieren, dass sich der Klimawandel nicht verlangsamen wird, dass sich um den Planeten, um unser Zuhause nicht gekümmert wird, dass es keine soziale Gerechtigkeit geben wird, wenn das Leben und das Überleben der Menschen nicht zur gleichen Zeit und mit Priorität verteidigt wird.

Dann erst können wir zum Beispiel über allgemeine und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung oder kostenlose Bildung für die ganze Weltbevölkerung reden.

Zuallererst müssen wir sicherstellen, dass die Menschheit überlebt… dass jeder Mensch, durch die einfache und heilige Tatsache, geboren zu sein, die Möglichkeit hat zu überleben (Unterkunft, Nahrung, Strom, usw.)

Alle Menschen müssen über Lebensbedingungen verfügen, die der Würde des Menschen entsprechen.

Es klingt offensichtlich, aber das ist es nicht. Und selbst wenn es in manchen Artikeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, wie in Artikel 25.1, anerkannt wird, hat dieses Recht noch nicht die kollektive Vorstellung durchdrungen – jedenfalls in bestimmten Regionen der Welt – im Gegensatz zum Recht auf Bildung, auf körperliche Unversehrtheit, usw.

Des Weiteren hat es sich „eingebürgert“ und ist zum Normalzustand geworden, dass Millionen von Menschen aufgrund eines Mangels an Nahrung oder Wasser sterben, und wir rechtfertigen dies mit dem Pech in bestimmten Ländern geboren worden zu sein, mit der schlechten Organisation ihrer individuellen oder kollektiven Möglichkeiten, weil sie nicht arbeiten wollen, usw.

Was ist der Grund, dass wir nicht über alle Maße empört sind, weil so viele Menschen aus Armut und Prekarität sterben? Warum hat sich dieses Recht nicht wie die anderen entwickelt?

Ich persönlich interpretiere das so, dass dieses Thema einen zentralen Teil des Systems berührt, in dem wir leben, ein Feind des Lebens im Allgemeinen. Wir reden darüber, was den Privatbesitz und den Mythos auf dem er beruht, in Frage stellen würde, der besagt „du wirst dein Brot verdienen, im Schweiße deines Angesichts“.

Und so kommen wir im Heute an und wieso von zahllosen Spezialist*innen und sozialen Bewegungen aus verschiedenen Regionen des Planeten ein universelles Grundeinkommen verlangt wird.

Es ist offensichtlich und wird seit Jahrzehnten verlangt, dass auf die steigende Robotisierung und Mechanisierung der Arbeitswelt reagiert werden muss, wegen der Streichung bezahlter Arbeitsplätze und weil die Gleichung Beschäftigung = Lebensunterhalt nicht mehr haltbar ist.

Mein Punkt ist: Wir müssen zwischen Beschäftigung und Arbeit unterscheiden. Beschäftigung ist bezahlte Arbeit und Arbeit ist alle Aktivität, von der ein großer Teil – übrigens meistens die, die Leben erhält und entwickelt – nicht bezahlt wird: Pflege (die vor allem von Frauen entwickelt wurde), Freiwilligenarbeit und Solidaritätsarbeit, ein großer Teil der künstlerischen Arbeit… Aber dies ist NICHT das Thema heute.

Diese Gleichung Beschäftigung = Arbeit wird durch die Pandemie weiter zerstört, wenn Millionen über Millionen von Menschen arbeiten wollen, das aber nicht können. Das bedeutet unweigerlich, dass man dazu verurteilt ist, von wohltätiger oder humanitärer Hilfe abhängig zu sein, dort wo es möglich ist diese zu leisten oder zu verhungern.

Es ist offensichtlich, dass die Gleichung Beschäftigung = Lebensunterhalt nicht mehr funktioniert und wir Alternativen suchen müssen. Selbstverständlich Alternativen die uns befreien und nicht noch mehr versklaven, wie das bei den meisten Arbeitsstellen der Fall ist.

Dann werden sich die Stimmen erheben und anfangen ein Grundeinkommen einzufordern, wie wir es gesagt haben.

Wir weisen darauf hin, dass in vielen Fällen über Grundeinkommen gesprochen wird, wenn in Wirklichkeit Einkommen oder Sozialhilfe gemeint ist. Diese Vermischung ist in vielen Fällen bewusst  und mit der Absicht zu verwirren.

Wenn wir über Grundeinkommen sprechen, bestehe ich darauf, dass wir nicht über Hilfe für die Armen sprechen, die übrigens gezeigt hat, dass sie Armut chronisch werden lässt. Und das sind definitiv die Krümel, die dieses kapitalistische System sich erlaubt denen „zu schenken“, die auf systematische, schamlose und unmoralische Weise bestohlen werden. Wir sind nicht gegen die Hilfe, die es heute vielen Millionen von Menschen erlaubt, essen zu können, aber wir wissen, dass diese Hilfe „Brot für heute und Hunger für morgen“ bedeutet.

Wenn wir über Grundeinkommen sprechen, sprechen wir über ein universelles, bedingungsloses, individuelles, ausreichendes und permanentes Grundeinkommen. Wir sprechen über ein Einkommen, einer Zuwendung, die vom Staat im Grundsatz gewährt würde und das würde für die gesamte Bevölkerung das gleiche Grundeinkommen sein. Vom reichsten bis zum ärmsten – und wir kämpfen dafür, dass das so sein soll. Dass das Grundeinkommen UNIVERSELL sein soll, weil wir erreichen wollen, dass es als das erste der Menschenrechte anerkannt wird, das Recht auf Unversehrtheit, das Recht auf Leben…

Zusätzlich soll es ein BEDINGUNGSLOSES Grundeinkommen sein. Es soll für alle Menschen gelten, ohne, dass sie beweisen müssen, ob sie Vermögen haben oder nicht, ob sie bereit sind zu arbeiten, usw.

Das Grundeinkommen soll des Weiteren INDIVIDUELL sein. Es soll jedem Menschen alleine zustehen, sobald dieser geboren wurde, nicht ganzen Familien, wie das normalerweise bei Hilfe für die „Armen“ der Fall ist.

Wenn wir über Grundeinkommen sprechen, reden wir von einer AUSREICHENDEN finanziellen Unterstützung, um unter menschenwürdigen Bedingungen leben zu können (Behausung, Nahrung, Energie, usw.).

Und letztendlich verlangen wir, dass das Grundeinkommen PERMANENT eingeführt wird uns nicht nur als vorübergehende Antwort auf die derzeitige Pandemie, zum Beispiel.

Kurz gesagt, wir reden über Rechte. Das Recht, das jedes menschliche Wesen beschützt, damit es leben und unter guten Lebensbedingungen leben kann. Wir reden nicht über Wohltätigkeit oder Hilfe für die Armen.

Ein universelles, bedingungsloses, individuelles, ausreichendes und permanentes Grundeinkommen kann heute und zwar JETZT umgesetzt werden, denn es gibt mehr als genug Wohlstand – das erste Mal in der Geschichte, wie viele Ökonomen und Spezialisten mit ihren Studien gezeigt haben – sodass alle Menschen in menschenwürdige Lebensumständen leben könnten.

Und warum soll dieser Wohlstand, der Dank der Fortschritte in Robotik und Technologie, exponentiell anwächst, verteilt werden? Weil dieser Wohlstand ALLEN gehört. Und zwar aus zwei Gründen: Weil er eine Konsequenz aus der geschichtlichen Akkumulation der Arbeit tausender Generationen im Laufe der Geschichte ist und weil die gesamte Bevölkerung des Planeten auf die eine oder andere Weise dazu beiträgt. Deshalb sprechen wir von Einkommen, weil der Wohlstand, der uns allen gehört, sich rentiert und als Konsequenz daraus uns zurückgezahlt werden muss.

Die Humanisten verlangen im Übrigen, dass Maschinen die Arbeit erledigen sollen… das Problem ist nicht die Beschäftigung oder der Mangel an Beschäftigung, das Problem ist, das Überleben sicherzustellen.

Und das Problem mit dem Sicherstellen des Überlebens ist nicht der Mangel an Wohlstand. Das Problem ist – wie wir sehr gut wissen – die Konzentration dieses Reichtums in immer weniger Händen.

Ein universelles und bedingungsloses Grundeinkommen ist nicht das wirtschaftliche Paradigma, welches die Humanisten der Welt anstreben, aber es stellt einen Schritt in der Umverteilung des Vermögens dar und JA, es würde die Armut mit einem Federstrich beseitigen und zwar umgehend.

Dafür brauchen wir eine mobilisierte Bevölkerung, die sich dafür einsetzt und mutige Politiker, die gewillt sind, den Plan in die Praxis umzusetzen.

Ein Grundeinkommen befindet sich auf einer Linie mit einem neuen Menschenbild, einem Menschen, der all seine Bestrebungen farbenfroh und ohne Grenzen zeigen kann… wenn er sich von versklavenden Arbeitsstellen oder dem Mangel daran befreit.

Ein Grundeinkommen kann helfen, den Pfad zu einer Gesellschaft, zu einer Menschheit, zu öffnen, in der kein Mensch unter einem anderen steht – um es in den Worten des Denkers Silo zu sagen – „behandle andere, wie du behandelt werden möchtest… und damit beginnen wir, uns zu befreien.“

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Kristina Klüpfel vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!

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Kategorien: International, Menschenrechte, Video
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