Interview mit einer jungen Palästinenserin über den Einfluss von Covid-19

24.06.2020 - Pressenza Athens

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Griechisch verfügbar.

Interview mit einer jungen Palästinenserin über den Einfluss von Covid-19

Folgen des Lockdowns aufgrund der Covid-19 Pandemie im Westjordanland

Asil Qraini ist 23 Jahre alt. Sie wuchs in der Stadt Nablus in der West Bank auf und lebt dort heute noch. Das Pressenza Team traf Asil im Rahmen einer größeren Mission in der West Bank bei ihrem Besuch der Al-Najah-Universität. Asil hat sich erneut bereit erklärt, sich interviewen zu lassen, um uns darüber zu informieren, wie sie und ihr enges soziales Umfeld die Pandemie erlebt haben. Sie wurde von Christina interviewt.

In welchem Stadium ist die Aufhebung der durch die Covid-19-Pandemie eingesetzten Beschränkungen in der West Bank? Wie haben sich diese zusätzlichen Einschränkungen auf dein tägliches Leben, dein Studium, deine Arbeit, deine Reisen etc. ausgewirkt?

Aufgrund der Ausbreitung des Virus hatten wir eine Zunahme an Einschränkungen sowohl seitens der Israelis als auch seitens der PA. Die Palästinensische Autonomiebehörde hat für fast drei Monate einen kompletten Lockdown verhängt, nur Bäckereien und Apotheken sind weiterhin offengeblieben. Die Regeln für die Ausgangssperre änderten sich im Laufe dieser Monate mehrmals. Es war nicht mehr erlaubt zwischen verschiedenen Städten hin- und her zu reisen und manche Viertel innerhalb einer Stadt waren durch starke Sicherheitsvorkehrungen und Check-Points abgeschnitten. Diejenigen, die sich nicht an diese Beschränkungen hielten, wurden mit Geldstrafen belegt und ihre Autos wurden beschlagnahmt. Bis vor kurzem gab es keine öffentlichen Verkehrsmittel; private Taxiunternehmen durften zwar arbeiten, aber boten nur Platz für jeweils zwei Fahrgäste aus einer Familie an. Dies war eine unserer größten Herausforderungen, weil meine Familie und ich in einem abgelegenen Teil der Stadt am Stadtrand leben und kein Auto besitzen.

Vor dem Lockdown habe ich freiberuflich als Übersetzerin und Dolmetscherin gearbeitet, bin nun jedoch seit Monaten arbeitslos. Meine Familie kommt, wie viele andere auch, kaum über die Runden. Meine Schwester und ich sind die einzigen Versorgerinnen und selbst sie als Software-Ingenieurin war von der Krise betroffen. Ihr Gehalt wurde um die Hälfte gekürzt, aber meiner Ansicht nach haben wir immer noch Glück, weil wir eine stabile Einkommensquelle besitzen.

Mein tägliches Leben war stark beeinträchtigt, denn ich verließ mein Zuhause nur für kleine Spaziergänge und selten mal zum Einkaufen. Ich habe meine Freunde und Familie wochenlang nicht gesehen…

Laut der WHO gab es in der West Bank und im Gazastreifen ca. 602 bestätigte Covid-19 Fälle und 5 Todesfälle; jeder Todesfall ist natürlich ein Verlust, dennoch, was hat deiner Meinung nach diesen Gebieten geholfen, eine höhere Anzahl an Coronavirus-Fällen zu vermeiden?

Vielleicht hat der strikte Lockdown zu einer geringeren Fallzahl beigetragen, aber meiner Ansicht nach hat er mehr Schaden als Nutzen angerichtet.

Jeder Mensch und jedes Land hat unterschiedliche Erfahrungen bezüglich des Lockdowns und der Bedrohung durch Covid-19 gemacht. Nicht jeder war jedoch in der privilegierten Lage die Zeit zu Hause zu genießen, sich eine Pause zu genehmigen, oder sich in einem sicheren Umfeld zu befinden usw. Aus deiner Sicht, wie haben Menschen aus der West Bank diese Situation erlebt? Gibt es deutliche Unterschiede zwischen den drei Arealen der Westbank; A, B und C, dass jedes Gebiet eine andere Umgangsform hat? Sollten wir davon ausgehen, dass jedes Gebiet unterschiedliche Beschränkungen oder Schutzmaßnahmen hatte?

Soweit mir bekannt ist, unterlagen fast alle Gebiete den gleichen Einschränkungen. Von Anfang an wurden Dörfer und Flüchtlingslager von den Städten isoliert, und manche Viertel innerhalb der Stadt durch Check-Points abgetrennt. Diese Situation war für die meisten Palästinenser, mich eingeschlossen, alles andere als eine „Pause“, und ich kann sagen, dass die Dinge möglicherweise nie wieder zur Normalität zurückkehren werden! Trotz der Tatsache, dass die Beschränkungen aufgehoben wurden, ist die Stimmung der Menschen gebrochen. Es liegen Anspannung, Angst und Furcht in der Luft. Die Arbeitslosenzahlen sind in die Höhe geschnellt und Unsicherheit droht über uns alle hereinzubrechen.

Hat Covid-19 eine Änderung der israelischen Politik gegenüber Palästina bewirkt? Glaubst du, dass Covid-19 als eine zusätzliche Bedrohung für das palästinensische Volk benutzt wurde?

Ich glaube, es wurde als Vorwand dafür benutzt, um die Bewegungsfreiheit, die Industrie, die Landwirtschaft und so ziemliche alle Aspekte des Lebens stärker einzuschränken. Nicht zu vergessen, wie Israel – ganz zu Beginn – ein Notfallkrankenhaus zerstört hat, das zur Behandlung von Covid-19 eingerichtet worden war.

Gibt es palästinensische und/oder israelische Bewegungen/Initiativen, die versucht haben, aktiv auf die Bedürfnisse verbunden mit Covid-19 einzugehen? Wie versucht die Jugend, die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen?

Ein palästinensisches Unternehmen namens BabyFist hat Geld gesammelt und Masken hergestellt und diese an NROs in Gaza gespendet. Außerdem hat der palästinensische Designer Yazan Zeit ebenfalls Stoffmasken, die in seinem Atelier hergestellt wurden, gespendet.

Gibt es irgendwelche positiven Folgen aus dieser Situation?

Ehrlich gesagt, obwohl ich Realistin und keine Pessimistin bin, kann ich mir keine positiven Folgen aus dieser Situation ausmalen…

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Susanne Grönsfeld vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!

Kategorien: Gesundheit, Interviews, Menschenrechte, Mittlerer Osten
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