Liebe in der Zeit des Coronavirus

15.05.2020 - Gómez Valdebenito - Redacción Chile

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch verfügbar.

Liebe in der Zeit des Coronavirus

Tausende von Büchern wurden geschrieben, Millionen von Liedern und Gedichten verfasst, die der Liebe gewidmet sind, dennoch sind eventuell niemandem ihre wahren Dimensionen bewusst, oder gar wo sie zu suchen ist. Viele glauben, dass Liebe das Gefühl ist, das man für seinen Partner, seine Mutter, seine Kinder und sogar für sein Haustier empfindet. Und in der Tat ist das eine gewisse, aber doch begrenzte Sichtweise auf die Liebe.

Im weitesten Sinne ist sie umfangreicher, kennt keine Grenzen und ist bedingungsloser. Und obwohl sie den gleichen Ursprung haben, ist sie nicht Ausdruck eines äußeren Reizes wie eine Person, sondern sie kommt aus unserem Inneren, aus den Tiefen unserer Seele. Deshalb ist sie universeller und diskriminiert weder die Menschen, die Gegenstand dieser Liebe sind, noch stellt sie dem Liebenden Bedingungen.

Die allgemeine Liebe ist unbeständig, sie kommt und geht wie der Wind, sie wird von einigen gefühlt, aber von anderen verachtet. Man empfindet Sympathie für jemanden, aber Antipathie für andere, deshalb fühlt man sich innerlich nicht komplett. Liebe hängt immer vom Äußeren und den Veränderungen, die in dieser Umgebung stattfinden, ab. Die Liebe, die von innen kommt, aus den Tiefen des Herzens, ist stattdessen dauerhaft und nicht den Höhen und Tiefen des täglichen Lebens ausgesetzt. Sie leidet auch nicht an Eifersucht oder anderen Unsicherheiten der menschlichen Natur. Sie ist unabhängig von der Zuneigung, die andere für jemanden empfinden mögen, und sie lässt auch nicht nach wegen Liebe, die andere für dieselbe Person empfinden können. Gute Liebe stellt ihre Gefühle gegenüber anderen nicht unter Bedingungen, sie macht sie nicht von ihrem Verhalten, ihrem Charakter, der Persönlichkeit, oder von ihren Gewohnheiten und Verhaltensweisen abhängig.

Aus guter Liebe entstehen Respekt und Toleranz, Brüderlichkeit und bedingungslose Gemeinschaft, Solidarität und Nächstenliebe, der Geist des Leistens und das Bewusstsein für die eigene Sinnhaftigkeit in diesem Leben. Das Gebot, das Jesus uns hinterlassen hat, basiert auf all diesen Prämissen, aber es ist vielmehr als ein Gebot im eigentlichen Sinne, wie der christliche Glaube behauptet. Es hat nicht nur diese Bedeutung, es ist vielmehr eine Suche, ein Lebensstil, eine Mission, die dem menschlichen Leben vollen Sinn gibt und die den Horizont unseres Bewusstseins erweitert. Jesus hat uns dieses „Gebot“ hinterlassen, weil er sich dessen voll und ganz bewusst war, dass ohne dieses Gefühl das Leben in der Gesellschaft sehr schwierig sein wird, große Ungleichheiten entstehen, enorme Egos entwickelt werden, die zu Ambitionen und Gier führen, die wiederum Kriege und Leid für die gesamte Menschheit hervorrufen. Ohne eine Dosis dieser bedingungslosen Liebe in den Menschen wird das Leben in der Gesellschaft komplex, da es sehr schwierig ist, Einfühlungsvermögen, Respekt und Toleranz zu entwickeln, insbesondere gegenüber Ausländern und religiösen und politischen Gegnern. Mit wahrer Liebe verschwindet unsere innere Aggressivität, wir tolerieren unsere Gegner viel besser, wir sind in der Lage, ihnen zu verzeihen und mit ihnen zu verhandeln, wir schauen sie mit verständnisvollem Blick an und greifen sie nicht mehr an, wir machen uns nicht lustig über sie noch verharmlosen wir sie. Wir erkennen, dass wir alle teilweise Recht haben und dass wir alle falsch liegen können, dass wir frei sind, anders zu denken. Als Resultat dieser tugendhaften Art des Seins erzeugen wir ein gleichwertiges Ergebnis mit unseren Gegnern, und als Produkt dieses gegenseitigen Verständnisses, dieser Fähigkeit, sich auf Positionen zu einigen, erzielen wir die besten Ergebnisse und können derselben Richtung entgegen zusammenarbeiten, um die großen Probleme zu lösen, die uns betreffen, zum Wohle jeder Institution, jedes Unternehmens, jeder Gesellschaft und der Menschheit im Allgemeinen.

Nun ist Liebe kein Gefühl, das per Dekret erworben oder mit ihm geboren wird, obwohl viele dieses stärker entwickelte Geschenk mitbringen. Es wird nicht gekauft oder verkauft, und obwohl unser Wille davon abhängt, reicht das nicht aus, um sofort mit der Liebe zu beginnen, sobald die Person sich dazu entscheidet. Man braucht alle Eigenschaften, die notwendig sind, um ein Lebensziel zu erreichen: Entschlossenheit, Beständigkeit, Ausdauer, Disziplin, Regelmäßigkeit, zu der wir etwas Grundlegendes hinzufügen müssen: Methodik. Dazu bedarf es also in erster Linie der tiefen Überzeugung, dass die Liebe das Wichtigste im Leben des Menschen ist. Damit wird man in der Lage sein, die totale Entschlossenheit zu haben, sie zu erreichen, und dann mit der geeigneten Methodik, sie mit Ausdauer und Regelmäßigkeit anzuwenden, wofür eine strenge Disziplin und viel Vertrauen in die Erreichung des Ziels erforderlich sind. Die Methodik muss auf dieses spezielle Ziel ausgerichtet werden, da sie auf andere Ziele umgeleitet werden könnte. Es handelt sich nicht um etwas Starres oder eine mathematische Gleichung. Die Methoden sind sehr unterschiedlich, je nach der Kultur, in der man geboren ist, und je nach religiösem Glauben. Aber sie sind alle nützlich, wenn sie in dieselbe Richtung ausgerichtet sind. Wichtig ist, dass wir wissen, wie wir tiefer in sie eindringen können, um in die Tiefe unseres Herzens, unseres Geistes zu gehen. Wenn wir Christen sind und beten, muss es tiefgründig genug sein, um uns mit unserem göttlichen Wesen zu verbinden, genauso mit dem Rosenkranzgebet und der Anbetung. Dasselbe gilt für jede andere Religion oder Doktrin, sei sie muslimisch, Sufi, Sikh, Jain, buddhistisch, Shinto usw. Wenn wir stattdessen Freidenker sind, aber Meditation, transzendentale Meditation, Zen oder eine andere praktizieren, müssen wir uns von ihrer Technik mitreißen lassen, aber immer unser Ziel im Auge behalten, langsam, ohne unseren zerstreuten Geist zu zwingen, den Grund unseres Seins aufzuspüren, bis wir die wunderbare Quelle finden, aus der unsere besten Gefühle geboren werden, die letztlich unser Leben lenken. Alles andere ist Regelmäßigkeit in der Praxis und Beharrlichkeit in der Zeit, und nach und nach werden wir die Ergebnisse beobachten und fühlen, die uns wiederum mehr dazu anregen werden, in diesen Praktiken beharrlich zu bleiben. Wir dürfen den biblischen Satz nicht vergessen, der besagt: „Suchet, und ihr werdet finden, klopft an, und es wird euch aufgetan, bittet, und es wird euch gegeben werden“.

Es gab in den letzten Jahren auf der Welt noch nie eine so kostbare Gelegenheit, nach dieser inneren Liebe zu suchen, als in dieser Coronavirus-Quarantäne, die beste Möglichkeiten der Selbstbeobachtung bietet, aufgrund dessen, dass man unmöglich mit sozialem Lärm von außen in Kontakt kommt. Vergeuden wir nicht diese Gelegenheit, innerlich zu wachsen und diesen Weg anzutreten, der uns zur persönlichen und sozialen Erfüllung führt.

Nach und nach werden unser Verstand und unser Herz klarer, und wir werden zu einer neuen Realität des Verstandes und des Bewusstseins aufblühen. Und wie Jesus sagte, wenn ihr aus dem Brunnen des lebendigen Wassers trinkt, werdet ihr nie wieder Durst haben. Dies wird dem Bedürfnis, dem Verlangen nach materiellen und überflüssigen Dingen, die uns versklaven, ein Ende setzen, wie von Buddhisten angestrebt. Es ist nicht einmal mehr notwendig, Ziele oder Herausforderungen zu setzen. Die Liebe leitet unser Leben und zeigt uns den Weg, dem wir folgen sollten. Es macht uns heiter und natürlich; wir müssen nicht einmal geben oder empfangen wollen. Alles wird so geschehen, wie es geschehen soll. Die Dinge werden zu uns kommen, ohne nach ihnen zu suchen. Wir werden einfach entspannt und natürlich sein, wie eine Blume, die sich jeden Morgen im Sonnenlicht öffnet und ihren Duft an alle verströmt, die kommen, um ihn zu riechen. Das ist der wahre Zweck des Trinkens aus dieser Quelle des lebendigen Wassers. Und sie ist weder in Büchern noch in Religionen zu finden. Sie ist in uns.

Wir leben damit, nach außen hin zu suchen, nach etwas, das uns erfüllt und glücklich macht, ohne zu merken, dass alles in uns ist. So verbringen wir unser Leben damit verwirrt und desorientiert, anderen die Schuld für unsere Unzulänglichkeiten und unerfüllten Bedürfnisse zu geben. Und was wirklich passiert, ist, dass wir den Kontakt zu unserem Inneren verloren haben. Wir sind ewige Jugendliche, die außen nach dem suchen, was innen ist. Und das erweist sich leider als kostspielig. Kriege, Hungersnöte, Krankheiten, Katastrophen – all das könnten wir vermeiden, wenn wir in uns hineinschauen würden. Hoffen wir, dass es solche Katastrophen wie die gegenwärtige Pandemie sind, die uns verändern werden, und lasst uns beginnen, uns selbst und unsere Kinder zu lehren, dass der wahre Weg die Liebe ist und dass wir sie in uns selbst durch Meditation oder tiefes Gebet suchen müssen. Und das, bevor es zu spät ist.

Das Aufkommen der Liebe in unseren Herzen und Köpfen wird zu einem anderen Lebenssinn, der uns unsere Rolle in der Gesellschaft und den zwischenmenschlichen Gruppen, in denen wir leben, voll bewusst macht. Da wir unsere Mitmenschen lieben, werden wir es lieben, ihnen zu dienen und ihnen zu helfen, es wird unsere Seele trösten und uns Zufriedenheit und ein Gefühl der Sinnhaftigkeit in unserem Leben geben. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie das Leben in einer Gesellschaft aussehen würde, in der die meisten Menschen Liebe für ihre Mitmenschen empfinden. Vielleicht können sich nur wenige vorstellen, wie leicht dies zu erreichen ist, wenn man es sich aus tiefer Überzeugung vornimmt. Eine Überzeugung, die sich aus dem Verständnis ableitet, dass Liebe die Quelle aller Freude und persönlichen Erfüllung ist. Sie ist ein starker Antrieb, der die ganzheitliche Entwicklung der menschlichen Person und der Gesellschaften fördert.

Da es sich um ein Gefühl handelt, das aus der Tiefe des Herzens geboren wird und Diskriminierungen jeglicher Art nicht anerkennt, gibt es sich damit zufrieden, zu dienen und zu helfen, bewundert die gesamte menschliche Schöpfung und ist daran interessiert, andere Kulturen, andere künstlerische Darlegungen, andere Religionen und andere politische Ideologien kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen. Menschen, die derart aufgeklärt sind, sind andersartigen Ideen gegenüber überaus tolerant, daher ist ihr Sinn für Zusammenarbeit und Kooperation voll ausgeprägt. Ihr Vertrauen in sich selbst und in andere ist vollkommen, sie integrieren sich schnell anderen Menschen gegenüber.

Die auf diese Weise in einem Geist des Vertrauens, der Toleranz und des Respekts gebildeten Gesellschaften, als Frucht der Liebe, die sie einander gegenüber bekennen, entwickeln sich voll und ganz, stellen den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit und widmen ihre Anstrengungen seiner körperlichen, intellektuellen und spirituellen Entwicklung. Gemeinsame Unternehmen werden entwickelt, wobei die Gewinne gerecht aufgeteilt werden. Das Gefühl der Integration ist so tief, dass die Grenzen, die ihre Bewohner trennen, dazu neigen, sich zu verwässern, und ein reicher wirtschaftlicher und kultureller Austausch stattfindet, der ihre Einheit stärkt. Diese Gesellschaften haben weder Armeen noch Waffen, weil sie offensichtlich nutzlos sind und weil sie Leben und Entwicklung nicht unterstützen. Stattdessen konzentrieren sie ihre Bemühungen auf die Stärkung ihrer Gesundheits-, Wohn- und Bildungssysteme und generell auf alles, was ihren Bürgern Wohlbefinden bringt.

Beitrag von Gómez Valdebenito, übersetzt aus dem Spanischen von Katharina Stobbe vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige! 

Kategorien: Humanismus und Spiritualität, International, Meinungen
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