Alternativen zur „Normalität“

23.04.2020 - Oporto, Portugal - Luis Filipe Guerra

Dieser Artikel ist auch auf Portugiesisch verfügbar.

Alternativen zur „Normalität“
(Bild von Pug Girl)

Auf der Suche nach dem Ausweg aus der Krise – wie wir sie momentan zweifellos durchleben – sollte es keinesfalls ausschließlich darum gehen, lediglich einen Weg zurück zur Normalität einschlagen zu wollen. Stattdessen sollte der Fokus darauf liegen, die massiven Einschränkungen der Grundrechte aufzuheben und gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Aktivitäten in innovativer und humaner Form wiederaufleben zu lassen.

Denn was nützt es uns zur „Normalität“ zurückzukehren, wenn:

  • diese durch fehlende Investitionen zukünftig an einen fortschreitenden Abbau öffentlicher Institutionen, insbesondere des Gesundheits- und Bildungswesens, gekoppelt ist, und somit Fortschritt und unser Wohlergehen gefährdet werden?
  • dadurch die soziale Ungleichheit so kontinuierlich zunimmt, wie es schon vor der Pandemie zu verzeichnen war?
  • die Wohnkosten in den großen Städten weiterhin steigen, sodass Einheimische zunehmend in die Peripherie abgedrängt werden und das Pendeln immer beschwerlicher wird?
  • die Migrant*innen in die Ausbeutung am Arbeitsplatz und in die Illegalität zurückkehren?
  • Geflüchtete weiterhin in menschenunwürdigen Auffanglagern ohne jegliche Zukunftsperspektiven leben müssen?
  • diese Rückkehr ein Wiederaufflammen gewaltsamer Konflikte weltweit zur Folge hat?
  • die fortlaufende Zerstörung unserer Umwelt die Folgen des Klimawandels potenziert?
  • diese Rückkehr auch eine Rückkehr zur Priorisierung der Einzel- und Eigeninteressen durch viele Politiker*innen bedeutet, deren Interessen also jenen des Allgemeinwohls vorangestellt werden?

Dies würde bedeuten, eine solche Tragödie zwar zu durchleben, jedoch aus dieser keine Schlüsse zu ziehen.

Wir befinden uns in einer außerordentlichen Zeit, in der es gilt, außergewöhnliche Antworten zu finden.

Wieso also davon nicht profitieren, über den Horizont hinausdenken und neue Strategien entwickeln, wenn auch nur temporär?

Falls eine institutionelle Konjunkturförderung nötig ist und die Exportmärkte nahezu stagnieren, wäre es möglicherweise hilfreich, ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürgerinnen und Bürger einzuführen, um Kaufkraft und Nachfrage zu erhöhen und gleichzeitig Armut und gesellschaftliche Ausgrenzung zu bekämpfen.

Falls Finanzspritzen für Unternehmen nötig sind, wäre es möglicherweise hilfreich, Kreditlinien für Arbeitnehmer*innen zu schaffen, um ihnen Kapitalerhöhungen von Seiten der Unternehmen, in denen sie arbeiten, zu ermöglichen. Dies könnte in einem neuartigen Verhältnis zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden münden, in welchem ein Verhältnis der rechtlichen Unterordnung durch eine faire Zusammenarbeit ersetzt wird.

Falls eine Rekapitalisierung der Wirtschaft wichtig ist und dafür eine Beteiligung des Bankensektors ersucht wird, wäre es möglicherweise sinnvoll, nicht nur die Ausschüttung der Dividenden zu begrenzen, sondern auch Zinserhebung zu beschränken, die die Transaktionskosten übersteigen.

Wenn es unabdingbar ist die Luftverschmutzung zu reduzieren, wäre es möglicherweise sinnvoll, die Arbeit aus dem Home-Office so zu flexibilisieren, dass zumindest einmal in der Woche von Zuhause aus gearbeitet werden kann, ebenso wie es zu Zeiten der Corona-Eindämmungsmaßnahmen erfolgt ist. Die tägliche Massenfortbewegung könnte dadurch verringert werden.

Falls neue Arbeitsplätze geschaffen werden müssen, wäre es naheliegend, die tägliche Arbeitszeit zu reduzieren und neu aufzuteilen, sodass statt mehr Überstunden neue Arbeitsplätze entstehen. Dies sollte ohne Lohneinbußen für die Arbeitnehmenden und ohne die Kompensation seitens der Sozialversicherung stattfinden, was schlussendlich eventuell sogar eine Verlängerung der funktionalen Betriebsdauer der Unternehmen zur Folge haben könnte.

Falls der Tourismus längerfristig zurück geht, wäre es zweckdienlich, die Vermietung von bezahlbarem Wohnraum mit einer Dauer von mindestens zwei Jahren steuerbegünstigend zu unterstützen.

Sieht sich der kulturelle Bereich in die Knie gezwungen, wäre vielleicht nun der richtige Zeitpunkt, ihm eine Richtsumme von einem Prozent des Bruttoinlandproduktes zu bewilligen.

Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, Armeen in den Dienst des Friedens und der Bevölkerung zu stellen und gleichzeitig die internationale Zusammenarbeit zu intensivieren, einschließlich neuer Bemühungen zur Aufnahme und Unterbringung von Geflüchteten…

Die Zeit scheint reif für die Entstehung einer neuen Kultur des Miteinanders, in welcher das Streben nach Freiheit und sozialer Gerechtigkeit mit kollektivem Engagement und umfassender Solidarität gepaart wird. Es ist notwendig, zukünftig Schritte in diese Richtung zu machen, anstatt nur die Wiederankurbelung der Wirtschaft zu verfolgen und „business as usual“ mit seinen allseits bekannten Folgen zu betreiben.

Die Übersetzung aus dem Portugiesischen wurde von Rufus Dahm vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!

Kategorien: Europa, Meinungen, Menschenrechte, Wirtschaft
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