Gute Nachrichten Teil 6 – Der Hoffnungsquickie

14.08.2019 - Felix Feistel und Elisa Gratias, Rubikon - Pressenza Berlin

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch verfügbar.

Gute Nachrichten Teil 6 – Der Hoffnungsquickie
(Bild von Stephanie Edwards auf Pixabay | CC0)

Die Welt ist ein schlechter Ort. Diesen Eindruck gewinnt man zumindest, wenn man sie durch das mediale Brennglas betrachtet. Katastrophen, Kriege, Lügen, Heuchelei und Zerstörung bestimmen die vermittelte Realität. Obwohl jedem bekannt sein dürfte, dass diese nur ein stark vergrößerter Ausschnitt der Wirklichkeit ist, übernehmen sie viele allzu häufig als einzig mögliches Weltbild.

Daher hat sich die Mutmach-Redaktion entschlossen, in regelmäßigen Abständen gute Nachrichten in die Weltuntergangsszenarien einzustreuen. Denn: Es geschehen auch Wunder, Erfolge und erfreuliche Ereignisse, diese verkaufen sich nur nicht so gut, wie die unter einem reißerischen Titel vorgetragene Katastrophe. Gute Nachrichten erfordern keine tiefgehende Analyse, deshalb halten wir sie kurz und knackig. Sie dienen als kurze Verschnaufpause, um das einseitig verzerrte Weltbild wieder ein Stück ins Lot zu rücken.

Aufforsten gegen den Klimawandel

Der Klimawandel schreitet voran, ohne dass die Verursacher wirksam etwas gegen ihn unternehmen. Dabei will der Weltklimarat den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur bis 2050 auf 1,5 Grad Celsius begrenzen. Dies, so schreiben Forscherinnen und Forscher der technischen Hochschule Zürich (ETH), ist durch nichts so effektiv möglich wie durch das Aufforsten (1).

Zwei Drittel der weltweiten Emissionen von Treibhausgasen könnten auf diese Weise aus der Atmosphäre geholt werden. Derzeit ist die Erde mit circa 2,8 Milliarden Hektar Wald bedeckt. Das Pflanzen von zusätzlich 900 Millionen Hektar sei möglich, ohne dass die Menschen auf Agrarflächen oder Verkehrswege verzichten müssten. Dies entspreche einer Fläche von der Größe der USA, verteilt auf dem ganzen Planeten. In der Studie ging es einzig um ehemals intakte, aber heute zerstörte Ökosysteme, die auf diese Weise wiederhergestellt werden könnten. Urbane Gebiete wurden für die Berechnungen ausgespart.

Naturnaher Stadtwald

Wie wichtig Wälder für die Umwelt und das Klima sind, hat auch die Stadt Göttingen erkannt. Sie lässt ihren 1700 Hektar großen Stadtwald naturnah und ökologisch bewirtschaften (2). Das bedeutet: keinen Kahlschlag und kein Einsatz von Pestiziden. Nur einzelne Bäume werden schonend entnommen. Zudem wird bloß ein Bruchteil von dem geerntet, was jährlich an Holz nachwächst. Teile des Waldes werden überhaupt nicht bewirtschaftet, sondern ganz sich selbst überlassen. Dies führt zu einer großen Artenvielfalt innerhalb des Gebietes.

So konnten beispielsweise mehr als 400 der 750 noch in Niedersachsen beheimateten Schmetterlingsarten in dem Waldgebiet nachgewiesen werden. Auch tummeln sich Insekten, Singvögel und sogar die seltene Wildkatzen in dem Ökosystem des Mischwaldes, der als vergleichsweise anpassungsfähig gegenüber dem Klimawandel gilt. Ein Wald mit steigendem Holzvorrat gilt als Klimaschutzwald.

Generation Wald

Im Regenwald wird jedes Jahr mehr und mehr Wald abgeholzt, obwohl gerade diese Region als grüne Lunge für das globale Klima wichtig ist. Doch nun bietet die Genossenschaft The Generation Forest aus Hamburg einen Lösungsansatz für dieses Problem, bei dem jeder mitmachen kann (3).

Die Genossenschaft kauft gerodete Flächen auf und bepflanzt sie mit tropischen Mischwäldern. Diese dürfen nur nachhaltig forstwirtschaftlich genutzt werden. Die durch die Entnahme einzelner Bäume entstandenen Lücken werden sofort neu bepflanzt. Mit dem Erhalt der Ökosysteme wird die Artenvielfalt in der Region geschützt.

Mitglieder der Genossenschaft können Anteile zu je 1.200 Euro kaufen, von denen jeder mit 500 Quadratmeter Wald gepflanzt werden kann. Dank einer Rendite fließt ein Teil des Geldes wieder an die Genossen zurück. Auf diese Art wird nicht nur etwas gegen den Klimawandel getan. Es entstehen auch faire Arbeitsplätze in der Region.

Dieser Beitrag von Felix Feistel und Elisa Gratias erschien erstmalig bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse unter CC BY 4.0.

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Quellen und Anmerkungen:

(1) https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-07/klimawandel-klimaschutz-aufforstung-baeume-pflanzen-co2-emmissionen
(2) https://taz.de/Zukunftsmodell-Goettinger-Stadtwald/!5612146/
(3) https://nur-positive-nachrichten.de/positive-nachrichten/waelder-fuer-die-zukuenftigen-generationen


Felix Feistel, Jahrgang 1992, schreibt in vielfältiger Weise über die Idiotie dieser Welt und auch gegen diese an. In einer auf Zahlen und Daten reduzierten Welt, die ihm schon immer fremd war, sucht er nach Menschlichkeit und der Bedeutung des Lebens. Er versucht, seine Kräfte und Talente für die Gestaltung einer lebenswerten Welt einzusetzen, indem er sich gegen Ungerechtigkeit und Zerstörung wendet. Trotz des überall grassierenden Wahnsinns ist er nicht bereit, den Glauben an das Gute im Menschen und sein Potenzial, den Planeten in ein Paradies zu verwandeln, aufzugeben. Er ist Mitglied der Rubikon-Jugendredaktion und schreibt für die Kolumne „Junge Federn“.

Elisa Gratias, Jahrgang 1983, wuchs in Sachsen-Anhalt auf. 2005 wanderte sie nach Frankreich aus, wo sie ihr Studium zur Übersetzerin abschloss. 2014 zog sie nach Mallorca und arbeitet dort seitdem als freiberufliche Übersetzerin. Ihre Auswandererfahrungen und ihr Hang zum Grübeln bescherten ihr viele Erkenntnisse zum Thema Glück, Erfüllung und Gesellschaft. Darüber schreibt sie auf ihrem Blog flohbair.com.

Kategorien: Europa, Ökologie und Umwelt, Südamerika
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