Milagro Sala: Chronik eines Besuches im Gefängnis von Güemes

14.08.2018 - Redazione Italia

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch, Französisch, Italienisch verfügbar.

Milagro Sala: Chronik eines Besuches im Gefängnis von Güemes
(Bild von Tupac Amaru: Raúl und Milagro umarmen sich)

Anmerkung: Milagro Sala, erste politische Gefangene in Argentinien unter der Regierung Macri, verurteilt ohne Beweise, inhaftiert seit 16. Januar 2016. Siehe dazu auch: Artikel zu Milagro Sala

Seit einigen Tagen befindet sich Milagro Sala erneut in willkürlicher Haft im Gefängnis von Güemes in der argentinischen Provinz Salta, trotz der nationalen und internationalen Verfügungen, die mehrmals eine Unterbringung in häuslichem Arrest anstatt in einer Haftanstalt gefordert hatten, bis es zu den verschiedenen, ad hoc konstruierten Prozessen kommt.

Aus Protest auf diese jüngste Schikane hat die Leiterin der sozialen Bewegung Tupac Amaru mit einem Hungerstreik reagiert, sowie mit einem Brief, in dem sie die politische Verfolgung aller, nicht nur ihre eigene, anklagt, während „unser geliebtes Land an den IWF (Internationaler Währungsfond) verkauft wird“. Wir publizieren diesen Erlebnisbericht von Raúl Noro, ihrem langjährigen Partner, gegen den ebenfalls wegen seiner Mitgliedschaft bei Tupac Amaru ermittelt wurde, zu dem am vergangenen Samstag erfolgten Besuch bei ihr:

„Wir sind kurz vor Mittag im Gefängnis angekommen. Nachdem wir die Formalitäten erledigt hatten, wurden wir in einen Raum geführt, wo wir sie treffen konnten.“

„Sie kam und war voller Zuneigung, wie immer, und achtsam auf jedes Detail. Sie erzählte uns, dass sie immer noch im Hungerstreik ist und nur Flüssigkeit zu sich nimmt. Wir wussten das und hatten deshalb keine Speisen mitgebracht, nur Flaschen mit Mineralwasser. Sie umarmte ihre Kinder und mich und wir setzten uns in einen kleinen anliegenden Hof, um zu reden.“

„Ihr Enkel Amaru begann, mit ihr zu spielen, indem er Papierflieger bastelte, die er zusammen mit seiner Oma fliegen ließ: einer davon landete auf meinen Glatzkopf und wir lachten alle.“

„An einem gewissen Punkt berichte sie mir: „Ich bin in einer isolierten Einzelzelle…“. Wir boten ihr an, einen Fernseher und ein Radio zu bringen, aber sie lehnte ab und sagte mit Bestimmtheit: „Wenn ich das akzeptiere, heißt das, dass ich dort bleiben muss“. Sie fügte hinzu: „Ich will nichts, was mich an diesem Ort hält“, während sie einen Schluck Mineralwasser trank.“

„Wir ließen die ernsten Themen beiseite und sprachen über alles: Verwandte, Freunde, den Wind aus dem Norden, die Anekdoten unserer Bekannten. Und spielten weiter zusammen, wie Kinder, mit dem Lied „Veo/veo/ que ves…““

„Als aber der Moment des Abschieds kam, senkte sie ihren Blick und flüsterte mir zu: „Vergesst nicht, dass all dies nichts mit mir zu tun hat“. Dann umarmte sie uns zärtlich, einen nach dem anderen, bevor sie durch eine Türe verschwand, die von drei Gefängniswärtern bewacht wurde…“

Kategorien: International, Menschenrechte, Südamerika
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