Die Medien haben die Flüchtlinge und Migranten vergessen

10.06.2018 - European Humanist Forum 2018

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch, Katalanisch verfügbar.

Die Medien haben die Flüchtlinge und Migranten vergessen

„Ich bin Berichterstatter, ein Schnüffler, in unserem Genre haben aber leider jetzt die  Vorstände das Sagen. Seitdem die Vorstände bei den Verlagen Einzug gehalten haben, ist der Journalismus am Ende. Ich schäme mich, das sagen zu müssen, ich schäme mich, wenn ich auf die Straße gehe, in dem Versuch, Dinge sichtbar zu machen und denen, die keine haben, eine Stimme zu geben. In meinem Fall, sind das die Menschen die an den europäischen Grenzzäunen leben.  In einem Europa, das den Mund mit Menschenrechten so voll nimmt, die es dann nicht erfüllt“.

Antonio Sempere. Fotojournalist, bekannt für seine Arbeit über Migration. Seit mehreren Jahren dokumentiert er das Drama der Migranten, die nach Euroapa gelangen wollen. Er dokumentiert und fotografiert die Versuche der Flüchtlinge an der Grenze bei  Ceuta und auch die schreckliche Lage der Tausenden von Flüchtlingen, die nach der Meeresüberquerung aus der Türkei in Serbien gefangen sind, hat er festgehalten.

Sempere hat am Europäischen Humanistischen Forum am Tisch Unabhängiger Journalismus und Sozialer Aktivismus teilgenommen und einen Teil seiner Ausstellungen „At the foot of the Fence“ und „The Serbian Hell“ gezeigt.

Welche Rolle spielen unabhängige Medien im gesellschaftlichen Wandel?

Wir müssen die Gesellschaft verändern, wir sind das Sprachrohr, aber wir dürfen nicht auf das Hereinfallen, was man „Egos“ nennt. Leider ist der Beruf des Journalisten voll von „Egos“, das ist ein neuer Trend. Wir Journalisten müssen rausgehen und unsere Geschichten verkaufen, wir müssen unseren Lebensunterhalt verdienen, unsere Familien unterstützen und zusehen, wie man unsere Schlagzeilen und unsere Bildunterschriften ändert und sogar das, was wir eigentlich vermitteln wollten. Wir müssen das von innen bekämpfen. Ich appelliere an alle Kolleginnen und Kollegen, sich zusammenzutun und auf die Straße zu gehen, um einen Journalismus der Gerechtigkeit wie ihn Pressenzas macht zu fordern. Ich veröffentliche meine Sachen seit drei Jahren bei Pressenza und es wurde noch nie nicht einmal ein  Komma meiner Inhalte verändert. Für mich ist es sehr wichtig, für diese unabhängigen Medien zu arbeiten, die in Netzwerken auf der ganzen Welt zu finden sind.

Wie können soziale Bewegungen die Themen, die uns Bürger interessieren, in die Medienagenda aufnehmen?

In der Welt der sozialen Bewegungen gibt es viele Arten von Aktivismus: Es gibt den Aktivismus an vorderster Front, d.h. Menschen, die nah am jeweiligen Konflikt sind und versuchen, von den Ereignissen in  verschiedenen Teilen der Welt zu berichten. Es gibt auch Bewegungen wie Marea Blanca oder die Kollegen  der Plattform der Hypotekengeschädigten, die Tag für Tag versuchen, bessere Lebensbedingungen für alle zu schaffen. Andere von uns berichten von  Orten, an denen das Leben keinen Wert mehr hat, wie man an den Fotos der Ausstellung „Am Fuße des Zauns“ sehen kann, und die Journalisten, die dort hingehen, versuchen Rechte für diese Menschen einzufordern, die niemand will.

Nach 5 oder 6 schrecklichen Jahren, die diese Menschen bereits an den Grenzen verbringen, haben die Medien sie vergessen, sie haben die Flüchtlinge und die Migranten vergessen. Leider ist das der Fall und wir müssen den Geschichten, die wir an den Zäunen und Grenzen vorfinden, eine Stimme verleihen und die Bilder zeigen. Wir sind ein sehr wichtiges Element für den Wandel, manchmal setzen wir unsere eigene Integrität, unser eigenes Leben oder unsere berufliche Zukunft aufs Spiel, wenn wir Fotos veröffentlichen, die verboten sind zu veröffentlichen, aber wir müssen  Übermittler dieser Realität sein, von der  niemand spricht. Wir müssen sie jenen Mediendirektoren unter die Nase halten, die mehr über die wirtschaftlichen Ergebnisse am Jahresende nachdenken, als über die Menschen, die an den Grenzen unserer Länder ihr Leben lassen.

Übersetzung aus dem Spanischen von Marita Simon

 

 

Kategorien: Internationale Angelegenheiten, Interviews, Menschenrechte, Nichtdiskriminierung
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