Deutsches Panikorchester: wie man die GroKo im Ausland sieht

15.02.2018 - Evelyn Rottengatter

Deutsches Panikorchester: wie man die GroKo im Ausland sieht
(Bild von Keystone)

Anscheinend sind deutsche Berufsjournalisten zu keiner objektiven Selbstreflexion dessen, was im eigenen Land passiert, mehr fähig. Es braucht eine Schweizer Zeitung, um endlich einmal zu sagen, was gesagt werden muss. Oder liegt es vielleicht daran, dass sich es keines der etablierten Medien mit der allseits ungeliebten, aber trotzdem – so scheint es – nunmehr unvermeidbaren Großen Koalition verscherzen will?

Im Artikel „Das Panikorchester“, der am 10.02.2018 in der Basler Zeitung erschien, beschreibt der Autor Markus Somm treffend, was hier eigentlich vorgeht: lustlosen Politikern, die für keine einzige Idee mehr brennen, die jeden Idealismus über Bord geworfen haben und die sich politisch so viel unterscheiden wie ein Briefträger und ein Postbote, ist nichts mehr heilig, außer der eigene Vorteil.

Bei dem sich seit fünft Monaten hinziehenden Affentheater geht es schon längst nicht mehr um die Verteidigung der Interessen ihrer jeweiligen Partien, geschweige denn des Landes, sondern nur noch um persönlichen Machterhalt. Zum Leidwesen aller Bürger (ausgenommen Aktionäre und Superreiche), Stichwort neue Privatisierungswelle, die bereits im Koalitionspapier festgeschrieben ist. Klimawandel? Unwichtig. Alles andere? Nur, wenn dabei was für sie raus springt.

Sehr interessant auch der Blick auf die deutsche Volksseele, wahrgenommen von außerhalb. Sicherlich ist es richtig, dass wir uns der Schuld unserer Großväter und Urgroßväter bewusst sind und das ist auch gut so. Dass die Politik dies schamlos ausnutzt und sich somit aber letztendlich selber ein Bein stellt, ist eine logische Konsequenz und man muss nicht Psychologie studiert haben, um diesem Gedankengang zu folgen.

Einzig der Behauptung, Merkel habe die Flüchtlinge willkommen geheißen und sei dafür vom Wähler bestraft worden, sei hier widersprochen: es mag wohl auf den ersten Blick so aussehen. Und doch war es nicht das Willkommenheißen (für das Merkel sogar damals in die Höhe geschnellte positive Umfragewerte bekam), sondern die Weigerung, die Angekommenen auch ordentlich, sozial und menschenwürdig zu integrieren, die zu hoher Frustration und somit zum Wahlergebnis geführt hat.

Allem Engagement der Zivilgesellschaft zum Trotz (und davon gibt es viel in Deutschland!): wer Flüchtlingen verbietet, sich selber Arbeit zu suchen, oder teilweise sogar die eingezäunten und überwachten Flüchtlingslager zu verlassen, ja ihnen noch nicht einmal zugesteht, sich langfristig selber eine Bleibe suchen zu dürfen und irgendwie selbstbestimmt leben zu können, darf sich nicht wundern, wenn dann Frustration und bei den Bürgern Angst davor entsteht.

Das ständige und andauernde Abschieben, selbst von bereits offensichtlich gut integrierten Menschen, um die die Zivilgesellschaft dann immer wieder kämpft, leider aber meist erfolglos, ist eine Beweis dafür, dass Integration politisch überhaupt nicht gewollt ist.

Es ist eine Schande, wie sich dieses politische System gebärt. Völlig zweckentfremdet, nur noch auf Eigennutz bedacht und dem Bedienen von Konzerninteressen, was ja auch ausreichend belohnt wird. Oder will vielleicht irgendjemand behaupten, die Lobbyisten, die im Bundestag ein und ausgehen (und die die sogenannten Volksvertreter in ihrer Anzahl überschreiten), würden sich nur mit Handschlag bedanken?

Etwas läuft gewaltig schief in diesem Lande, und auch mit der Prophezeiung, dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, hat der Autor dieses lesenswerten Artikels Recht. Unabhängiger Journalismus also nur noch durch ehrenamtliche und daher nicht durch Geld beeinflussbare Medien oder aus dem Ausland? Es scheint wohl so.

Kategorien: Europa, Kultur und Medien, Meinungen, Politik
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