Zum Osteranschlag in Pakistan: Islam ist Toleranz – Terror hat keine Religion

29.03.2016 - Leverkusen - Milena Rampoldi

Zum Osteranschlag in Pakistan: Islam ist Toleranz – Terror hat keine Religion
(Bild von Google Maps)

Ich bin erschüttert über die blinde Gewalt der sogenannten „islamischen Taliban“ aus Pakistan, die sich zum Anschlag gegen Frauen und Kinder am Ostertag im Park in Lahore bekannt haben. Der Anschlag hat 70 unschuldigen Menschen, vor allem christlichen Frauen und Kindern der christlichen Minderheit des Landes, das Leben gekostet. Es traf unschuldige Zivilisten, die am wichtigsten religiösen Feiertag des Jahres mit der Familie Spaß haben und die Kinder zum Lachen bringen wollten. Ein krimineller Selbstmordattentäter hat ihrem Leben ein ungerechtes, plötzliches Ende bereitet.

Was diese „Muslime“ getan haben, widerspricht der Menschlichkeit als solcher und auch dem Islam als Religion, Glauben, Kultur und Zivilisation. Fünfunddreißig Kinder sind brutal ermordet worden. Ihnen wurde die Möglichkeit genommen, heranzuwachsen und sich in dieser Welt zu entfalten und der Entwicklung der Menschheit beizutragen.

Die Christen sind in Pakistan eine Minderheit. Und Minderheiten gewährt die islamische Mehrheitskultur Schutz. Minderheiten galten in der muslimischen Geschichte immer schon als Schutzbedürftige „Andersgläubige“, in diesem Falle „Leute des Buches“, Anhänger des im Islam geehrten Propheten ISA (Jesus).

Toleranz im Koran

Die Toleranz und die Religionsfreiheit sind im Koran zentral und tief verankert. In der Sure 2:256 heißt es ganz klar: „Es gibt keinen Zwang in der Religion“. Jedem Menschen steht somit laut Koran das Recht auf die freie Wahl der Religion zu.
Die Religionen, die dem Islam am nächsten stehen, sind das Judentum und das Christentum, die sogenannten ahl al-kitab, die Leute des Buches. Der Islam sieht sich nämlich als die geschichtliche Fortsetzung der Offenbarungsgeschichte an Juden und Christen durch den EINEN Gott, Allah.

Mohammed (sas) ist für die Muslime der chronologisch gesehen letzte Prophet der Offenbarungsgeschichte des einen Schöpfergottes aller Menschen. Die Kontinuität der Offenbarungsgeschichte und die Gleichheit aller jüdischen Propheten und die Hochachtung des christlichen Propheten Jesus werden im Koran dauernd betont. Als Beispiel möchte ich den Vers 136 aus der Sure al-Baqara (die zweite und längste Sure des Koran) anführen, in dem es ganz klar heißt: „Sprecht: Wir glauben an Allah und an das, was Er zu uns herabsandte, und was er zu Abraham und Ismail und Isaak und Jakob und den Stämmen herabsandte, und was Moses und Jesus und was den Propheten von ihrem Herrn gegeben wurde. Wir machen keinen Unterschied zwischen einem von ihnen; und wahrlich wir sind Muslime.“

Muslim sein heißt sich Allah unterwerfen. Allah ist der Schöpfer aller Menschen, ihrer Religionsfreiheit und somit auch der Schöpfer aller verschiedenen Religionsgemeinschaften, die er genauso diversifiziert gewollt hatte, als er dem Menschen seine Entscheidungsfreiheit schenkte. Und vor Allah sind alle Propheten gleichwertig. Um es mit den Worten des größten deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe auszudrücken, ist Islam ein sehr einfacher und doch so manipulierter Begriff: Närrisch, daß jeder in seinem Falle Seine besondere Meinung preist! Wenn Islam Gott ergeben heißt, Im Islam leben und sterben wir alle.

Diversität ist von Allah gewollt

In Koran 22/40 heißt es zu den monotheistischen Religionen und dem Gebot an die Muslime, friedlich mit den Menschen des Buches zusammenzuleben, Folgendes: „Und hätte Allah nicht die einen Menschen durch die anderen abgewehrt, wären viele Klöster, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen Allahs Namen häufig gedacht wird, bestimmt zerstört worden. Und wer ihm helfen will, dem hilft gewiss auch Allah; denn Allah ist stark und mächtig.“

diversidad

Synagogen, Kirchen und Klöster sind wie die Moscheen Orte des Glaubens und der Hingabe an den EINEN Gott.
Hätte Allah es gewollte, hätte er alle Menschen zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht: diese ist die koranische Botschaft. Aber Allah hat sich für die Diversität und den Pluralismus der Schöpfung entschieden. Daher leben wir auch in dieser Welt voller Unterschiede, voller verschiedener Ansätze und voller Weg hin zur Wahrheit.

Allah verbietet den Muslimen, die Anhänger der anderen Religionen zu hassen. In Koran 5/2 heißt es: „Und der Hass, den ihr gegen (bestimmte) Leute hegt, weil sie euch von der geschützten Gebetsstätte abgehalten haben, soll euch ja nicht dazu bringen zu übertreten. Helft einander zur Güte und Gottesfurcht, aber helft einander nicht zur Sünde und feindseligem Vorgehen, und fürchtet Allah! Allah ist streng im Bestrafen.“

Sogar die Bekämpfung von Menschen, die Muslime von der Erfüllung ihrer religiösen Pflichten abhalten, ist verboten. Somit hat der Anschlag gegen die Kinder und Frauen in Pakistan NICHTS mit dem Islam zu tun. Ich frage mich, wie solche Menschen es wagen, sich nicht nur Muslime, sondern auch „TALIBAN“, was im Arabischen „Schüler“ heißt, zu nennen. Denn das erste Wort Allahs an den Propheten war: „IQRA’A BISMI RABBIKA“ (Lies, im Namen des Herrn und nicht halte dir die Ohren zu im Namen des Hasses gegen Andersgläubige).

Und jeder, der den Koran liest, kommt zum Ergebnis, dass der Islam Unterwerfung gegenüber dem Schöpfer heißt, der diese Welt BUNT erschaffen hat, weil er diese DIVERSITÄT wollte und diese DIVERSITÄT als Ausdruck der Freiheit des Menschen, sich für eine oder die andere Religion zu entscheiden, erhalten wollte.

Wer sich zu diesen Anschlägen mit den Worten bekannt hat, die Zielsetzung hätte darin bestanden, so viele Christen wie möglich zu töten, der ist ein Sünder, der den Islam und seine Grundsätze mit Füßen tritt.

Für die Christen ist Ostern der Tag der Auferstehung Jesu von den Toten. Für die Muslime ist der Karfreitag der Tag, an dem nicht Jesus, sondern ein anderer an seiner Stelle, den Tod fand, da Jesus direkt von Allah in den Himmel gerufen wurde. Für die Christen erlöst Jesus Christus, Sohn Gottes, die Menschheit von der Ursünde. Für die Muslime gibt es die Ursünde nicht, da Allah Adam und Eva im Koran verzeiht und somit jeder Mensch als GUT geboren wird und sich nicht die Sünde seiner Vorfahren mitschleppt.

Aber mit diesen Unterschieden sind wir Muslime aufgefordert zu leben. Denn so will es unser Gott, ALLAH.
Der Vers, der das im Koran am besten aussagt, ist meiner Meinung nach der Vers 5:48. Hier ist die multikulturelle, multiethnische und multireligiöse Welt als von Allah gewollt genau und unmissverständlich beschrieben: „Und Wir haben das Buch mit der Wahrheit zu dir herabgesandt, das bestätigt, was von der Schrift vor ihm da war und darüber Gewissheit gibt; richte also zwischen ihnen nach dem, was Allah herabgesandt hat und folge nicht ihren Neigungen, von der Wahrheit abzuweichen, die zu dir gekommen ist. Für jeden von euch haben Wir Richtlinien und eine Laufbahn bestimmt. Und wenn Allah gewollt hätte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Er wollte euch aber in alledem, was Er euch gegeben hat, auf die Probe stellen. Darum sollt ihr um die guten Dinge wetteifern. Zu Allah werdet ihr allesamt zurückkehren; und dann wird Er euch das kundtun, worüber ihr uneins waret.“

Kategorien: Gewaltfreiheit, Humanismus und Spiritualität, Meinungen
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