Etwa 3000 Rechte (nach Auskunft der Polizei) trafen sich gestern um 15 Uhr am Washingtonplatz, direkt am Hauptbahnhof, um mit Parolen wie: „Merkel muss weg“, „Wir sind das Volk“ und „Polizei, wir danken Dir“, grölend auf sich aufmerksam zu machen. Einige waren vermummt, meist schwarz gekleidet und mit dunklen Sonnenbrillen. Die Stimmung war aggressiv und negativ aufgeheizt.

Die vom Bündnis „Berlin Nazifrei“ organisierte Gegendemonstration „Berlin gegen Nazis“, die sich etwas weiter entfernt am Rande des Washingtonplatzes versammelte, fiel dagegen mit ungefähr 1000 Menschen kleiner aus.

Aufgerufen zu dieser Veranstaltung hatten die Parteien CDU, die Grünen, die Linke, Piraten und die SPD sowie DGB und viele Einzelgewerkschaften, unter anderem IGM, Verdi, die Polizeigewerkschaft, GEW. Beide Kirchen, der HVD, sowie auch der Türkische Bund waren vertreten. Die verschiedenen Redner riefen dazu auf, wählen zu gehen und nicht zu denken, es sei doch egal, wen wir wählen, es seien doch alle gleich, denn es gäbe Alternativen!

Die Gegendemonstranten waren eine gute Mischung aus älteren und jungen Menschen aller Couleur sowie Familien mit kleinen und großen Kindern. Sie waren gekommen, um die Rechten mit lauter, ’bunter’ Musik und Buhrufen zu stören. Dies gelang auch.

„Wir gingen in den Hauptbahnhof, um von dort aus bessere Fotos machen zu können, wurden aber von der Polizei sofort aufgehalten, als wir uns der rechten Demo nähern wollten.“, erzählte unsere Fotografin, Caroline Schenck. „Wir hatten den Eindruck, dass vor allem in diese Richtung abgeschirmt wurde, während sich offensichtlich rechte Demonstranten frei bewegen konnten.“ Ein Polizist sagte dann noch zu ihr, dass seiner Erfahrung nach die Provokation ja meist mehr von links käme. Und dass er vor diesen eher Angst hätte, als vor den Rechten.

Durch den Sammelpunkt direkt vor dem Eingang des Hauptbahnhofes, bekam der rechte Aufmarsch sehr viel mehr Aufmerksamkeit und war sichtbar, wie von einer Tribüne aus. Die Gegendemo hingegen, weiter entfernt und zum Teil von einem Gebäude verdeckt, war kaum zu sehen. „Nachdem wir eine Touristin aus den USA über den Grund der Versammlung und der großen Polizeipräsenz aufgeklärt hatten, fragte die in Großbritannien lebende Passantin erstaunt, ob die Rechten denn überhaupt aufmarschieren dürften.“

Den Rechten war es nach ihrer Kundgebung ermöglicht worden, durch die weiträumig abgesperrte Innenstadt zu ziehen. Vorher forderte ein Redner die Menge noch auf, mit dem Handy jeden zu fotografieren, der die Demo vom Straßenrand aus stören würde. Mit einem Dankeslied an die Polizei, die ihnen diese Demonstration ermögliche, zogen sie wenig später los.

Informationen zu weiteren Veranstaltungen gegen Rechts findet man unter anderem bei: http://berlin-gegen-nazis.de/

Caroline Schenck und Birgit Reichel

Bildstrecke von Caroline Schenck:

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