„The Guardian“ schickt lieber Seife und Socken, als seine Journalisten zu schützen!

21.03.2016 - Berlin - Sabine Bock

„The Guardian“ schickt lieber Seife und Socken, als seine Journalisten zu schützen!
Jacob Appelbaum sprach auf dem LOGAN CIJ Symposium am 11. März 2016 in Berlin (Bild von Sabine Bock)

Beim LOGAN CIJ Symposium 2016 in Berlin sagte Jacob Appelbaum:

“Wenn wir über Journalismus reden, dann reden wir über ein großes Zelt. Wenn du drinnen bist, bekommst du Privilegien und politische Unterstützung. Ich bin nicht drinnen. Ich werde von Journalisten Internetaktivist genannt. Dabei nenne ich sie auch nicht Satzbau-Aktivisten. Ich werde aus dem Zelt der Privilegien herausgedrängt. Für mich gelten keine journalistische Rechte, sondern Terrorgesetze” sagte Jacob Appelbaum auf diesem Symposium.

„Der Guardian hat die Öffentlichkeit noch mehr beschissen, anstatt sie zu schützen“, und bezog sich bei seinem kritischen Vortrag auf die Journalisten David Leigh, Luke Harding und Alan Rusbridger (Chefredakteur) der britischen Zeitung „The Guardian“.

Auf dem „LOGAN CIJ“ Symposium im Berliner Congress Center sprach Jacob Appelbaum, welches vom 11. bis 12. März 2016 am Alexanderplatz in Berlin stattfand. Das Symposium hat sich das Ziel gestellt, eine einheitliche und kraftvolle Koalition zwischen Journalisten, Hackern, technischen Experten, Künstlern und Whistleblowern „zur Verteidigung der Freiheit und der Demokratie“ zu bilden.

Jacob Appelbaum hat damals aufdeckt, dass das Handy der Bundeskanzlerin jahrelang von US-Geheimdiensten überwacht wurde. Er fordert, dass alle Journalisten zusammenarbeiten als Aktivisten für die Wahrheit.

Jacob Appelbaum arbeitet als Software-Entwickler für das „Tor Project“, einem digitalen Internetnetzwerk zur Anonymisierung von Verbindungsdaten und ist ein unabhängiger Enthüllungsjournalist. Er ist der Co-Autor und ein guter Freund sowie frühzeitiger Mitarbeiter von Julian Assange, dem Begründer von WikiLeaks. Jacob Appelbaum ist auch bekannte durch das Buch: „Cypherpunks“ und arbeitet eng mit der deutschen Nachrichten- und Zeitungsagentur „Der Spiegel“ zusammen. Der gebürtige US-Amerikaner lebt seit einigen Jahren aufgrund seiner Enthüllungen in Berlin. Beim Chaos Communication Congress forderte er zusammen mit den Journalisten Sarah Harrison und Julian Assange zum „Whistleblowing“ — Enthüllen von kriminellen Machenschaften auf. Im vergangenen Jahr hat Jacob Appelbaum an der Universität in Eindhoven für Technologie promoviert.

In seinem Vortrag auf dem Symposium erhob Jacob Appelbaum starke Vorwürfe gegen die Journalisten David Leigh, Luke Harding und dem Chefredakteur Alan Rusbridger von der bekannten britische Zeitungsagentur „The Guardian“, die ihre investigativen Journalisten nicht ausreichend geschützt haben. Obwohl ihnen diese investigativen Journalisten die größten Veröffentlichungen einbrachten, wie z. B. die „Enthüllungen der NSA durch Edward Snowden“, wurden sie am meisten „beschissen“. Jacob Appelbaum kritisierte besonders an den Verantwortlichen der Nachrichtenagentur „The Guaridan“, dass sie:

  • Nicht ausreichend ihre Quellen und journalistischen Mitarbeiter geschützt haben.
  • Nichts getan oder gesagt hätten, um direkt Laura Poitras (Filmmacherin vom Snowden “Citizenfour”) und Jacob Appelbaum vom Druck der britischen Geheimdienste zu entlasten, als es um die Zerstörung der Computerdaten und Unterlagen von Snowden im Jahr 2013 ging.
  • Ihre investigativen Journalisten als Aktivisten bezeichneten und somit ihnen die journalistische Legitimation entzogen.
  • Der Informationsseite „Pro Publica“ nicht erlaubt zu haben Informationen aus den Enthüllungen von Snowden zu veröffentlichen.
  • Gelogen und die Aussagen von Julian Assange verzerrt haben. Dies bezieht sich vor allem auf die Bücher und zahlreiche Zeitungsartikel, welche vom Guardian über WikiLeaks und Julian Assange publiziert wurden.
  • David Miranda nicht unterstützen hätten. Er ist der Lebensgefährten und Begleiter des Journalisten Glenn Greenwald und wurde für über 9 Stunden vom britischen Geheimdienst auf dem Flughafen Heathrow von Berlin kommend festgehalten und wegen der „Snowden Veröffentlichungen über die NSA“ befragt. Miranda arbeitete auch für den Guardian.
  • Einen Korb mit Socken und Seife wurde an Julian Assange als Höhepunkt der Frechheit geschickt haben, anstatt ihren Top-Journalisten zu schützen, als er sich in die Botschaft der Republik Ecuador im Jahr 2012 verschanzte. Der Guardian war eine der ersten Nachrichtenagenturen, die die Dokumente von WikiLeaks veröffentlichten. Julian Assange hat für den Guardian die Originaltextstellen (Cables) der Logbücher ins richtige journalistische Format für die breite Öffentlichkeit gebracht. Besonders bei den Cables braucht man einen Computerspezialisten, der die Abkürzungen und Begriffe lesen und übersetzen kann. Das ist die besondere Leistung, die Whistleblower mit millionenfachen Daten über Korruptionsfälle und kriminellen Machenschaften von Regierungen, Organisationen, Unternehmen und Institutionen dem Guardian zur Verfügung stellten.

Seit den Enthüllungen von WikiLeaks und Edward Snowden über die Massenüberwachung der NSA ist uns bewusst, dass wir alle verwundbar sind. Unsere Menschenrechte sind gefährdet. Für Journalisten, die Enthüllungen aufdecken, stellt sich die Frage, was tun wir? Und wie erledigen wir diese wichtige Aufgabe? Journalisten stehen mit einer „weißen Weste“ im Gegensatz zu ihren Quellen, den Hackern da. Journalisten bilden einen sozialen und politischen Kontext und sind darauf spezialisiert, die Fakten der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Hacker sind Experten im Aufzeigen der Fakten und der beweislastigen Materialien, deswegen müssen sie geschützt bleiben.

Ein Ziel wurde durch Jacob Appelbaum auf diesem Symposium erreicht, die Allianz zwischen Journalisten, Technik-Experten und dem Leser zu stärken, und die Menschen zu inspirieren, sich den Herausforderungen gegen die digitale Massenüberwachung entgegenzustellen und damit die Gesellschaft zu ändern.

Auf dem Logan CIJ Symposium debattierten innerhalb der beiden Tage zahlreiche Experten, Journalisten, Anwälte und Whistleblower.

“Google geht es um Macht und Profit”

Der WikiLeaks-Gründer Julian Assange sprach per Videoübertragung am Freitagabend zum Publikum im Berliner Congress Center.

Irgendwie passt das auch zum Motto der Konferenz “Challenge Power!” — fordere die Macht heraus. Julian Assange sprach in diesem Zusammenhang auch über Google. In diesem Konzern sieht er eine Gefahr für die Gesellschaft, denn Google gehe es um Profite und Machtinteressen.

“Die Leute hinter Google haben enge Beziehungen zum Militär, zu den Geheimdiensten und zur Politik. Der Topmanager und ehemalige Google-Chef Eric Schmidt zum Beispiel hat Hillary Clintons Online-Präsidentschaftskampagne geplant”.

Ein brillianter, starker, etwas erschöpfter Whistleblower war auch per Videoübertragung zu Gast: Julian Assange.

JulianAssange

Ein brillianter, starker, etwas erschöpfter Whistleblower war auch per Videoübertragung zu Gast: Julian Assange.

Der Australier fordert, dass alle Anstrengung in die Weiterentwicklung der verschlüsselten Datenübertragung gesteckt wird. “Da muss man sich dann nicht mehr darum sorgen, dass sich bei unserer Kommunikation, die Wirtschaft oder der Staat mit ihren eigenen Interessen einmischen.” Eine Verschlüsselung beim Sender, die erst wieder durch den Empfänger entschlüsselt werden kann — das sei die einzige Hoffnung.

“Solange Du einen Menschen hast, der sich um dich sorgt, der Dich liebt, sei es deine Mutter, Bruder, Schwester oder Freunde, so lange bist Du nicht verloren” waren die Abschlussworte des Chefredakteurs von WikiLeaks aus seinen engen Räumlichkeiten der Ecuadorianischen Botschaft in London, in der er sich seit August 2012 hält.

Am Samstagabend sprach zum Abschluss des Symposiums Whistleblower Edward Snowden als Experte der NSA- Enthüllung über die Massenüberwachung. Edward Snowden erklärte den Einfluss der digitalen Netzwerke auf die Wahl der Menschen zwischen Sicherheit oder Freiheit der Privatsphäre.

Edward Snowden erklärte den Einfluss der digitalen Netzwerke auf die Wahl der Menschen zwischen Sicherheit oder Freiheit der Privatsphäre.

Kategorien: International, Kultur und Medien, Menschenrechte
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