NATO Kriege: das wahre Ziel ist Europa

05.10.2015 - Großbritannien - Antonio Carvallo

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Italienisch, Griechisch verfügbar.

NATO Kriege: das wahre Ziel ist Europa

Gleiche Fakten, anders erzählt

Die Bürgerkriege rund um Europas Grenzen passieren nicht zufällig, sie wurden absichtlich seit dem Fall der Berliner Mauer angezettelt.

Die einseitige Demontage der bipolaren Welt, wie sie seit 1945 vorherrschte, durch die Sowjetunion, hatte massive strategische Auswirkungen für die USA und Europa…und natürlich auch für den Rest der Welt.

Die Rechtfertigung der USA, Verteidiger der „freien Welt“ zu sein und ihre Politik, den Kommunismus im Zaum halten zu wollen, hatten nun plötzlich keine Grundlage mehr.

Nach der Perestroika trat Russland in eine Phase der Umwandlung, liberalisierte seine Wirtschaft, begann mit der Entwicklung einer neuen Zivilgesellschaft mit neuen politischen Strukturen, befreite seine Kolonien in Asien und Zentraleuropa. Das Land setzte strukturelle Veränderungen in Gang indem es seine Märkte öffnete und seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit zeigte durch die einseitige Beendigung des kalten Krieges.

Ähnlich wie ein Wagen in voller Fahrt, der ein Rad verliert, mussten nun die USA angesichts dieser unerwarteten Veränderungen ihre Position neu überdenken. „Hmmm, das sieht nicht gut aus“, dachte man in den „Denkfabriken“ in Washington, während man sich als Gewinner des kalten Krieges proklamierte, aber waren sie wirklich Gewinner oder eher Verlierer? Tatsächlich waren die fünfzig vorangegangenen Jahre gute Jahre für die dominante Macht gewesen.

Die Finanzinstitutionen des Bretton-Woods-Systems erlaubten dem US Dollar, die Welt zu regieren. Keine einzige Finanztransaktion fand statt, ohne dabei nicht in US Dollar umgewandelt zu werden. Niemand außer der Federal Reserve wusste genau, wie viele Milliarden von Dollar im internationalen Währungssystem zirkulierten. Die Kosten internationaler Kriege der einzigen wirklichen Macht wurden in Wahrheit vom Rest der Welt finanziert, denn alles, was die Vereinigten Staaten tun mussten, war Geld zu drucken. Mit der Kontrolle des Geldes und den internationalen Finanzinstitutionen, den stärksten aller Waffen, den größten Banken und mächtigsten Unternehmen… wer braucht da noch Kolonien in diesen Zeiten der globalen Banken und Geldautomaten?

Den alten imperialen Mächten wurde geraten, ihre Kolonien in Asien und Afrika aufzugeben und der neue „Sheriff State“ repräsentierte die Macht des Guten und den Kampf gegen das Böse in einer Welt, die sich zu globalisieren begann.

Europa leckte seine Wunden und begann seinen Wiederaufbau langsam und stetig, gezwungen, Kapitalgüter, Finanzen, Waffen und Technologie von dieser großen Macht beziehen zu müssen.

Diese „Unterstützung“ verlangte natürlich politischen Gehorsam und das Zahlen von Abgaben, mit anderen Worten, ein ordentliches Verhältnis zwischen „Herr“ und „Diener“.

Das funktioniert über Jahrzehnte wirklich bestens. Wenn man die geschichtliche Beschleunigung bedenkt, entsprechen die letzten fünfzig Jahre des 20. Jahrhunderts einigen Jahrhunderten in früheren Zeiten.

In nur 50 Jahren wuchs das amerikanische Bruttoinlandsprodukt um 600% und konsolidierte so die Position der USA als die mächtigste in der Welt, während ihre Unternehmen die Weltwirtschaft beherrschten.

Aber das alte Europa, Wiege der Zivilisation, der nordamerikanischen mit inbegriffen, mit einer fast siebentausend Jahren alten Geschichte, wurde sich schließlich darüber bewusst, dass es sich nach dem blutigsten aller Kriege vereinigen musste. Das war die Botschaft der Gründerväter der Union und des Vertrages von Rom 1957, aus dem ein Jahr später die EWG hervorging.

Das gemeinsame Projekt wuchs über die folgenden Jahrzehnte hinweg. Und der Bedarf für eine Währungs- und politische Union sowie territoriale Vergrößerungen im Bezug auf alle europäischen Nationen, auch eines Tages Russlands, wurde in den Köpfen der aktiveren Unterstützern dieses Projekts immer klarer.

Mit dem Fall der Berliner Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands bekam das Erstarken Europas neuen Aufwind.

Heute ist das Bruttoinlandsprodukt Europas etwa 20’% größer als das der USA. Wenn noch die Ukraine, Russland und die ehemaligen Staaten der UdSSR hinzukämen, wäre es sogar um über 40% größer. Hmmm… das ist bedenklich!

Dieses größere Europa mit einer internationalen Währung, einer politischen und administrativen Struktur, hochentwickelter Technologie, effizienter und billigerer Energie und einer der besten Industrien der Welt, wird nun wieder zu einem Hauptspieler in der neuen internationalen Weltordnung, mit einer Bevölkerung von über einer halben Milliarde kulturell gebildeter Einwohner… 800 Millionen, wenn man die ehemalige UdSSR miteinbezöge und somit ebenbürtig mit China und den USA selbst.

Denn tatsächlich sind die Menschen diejenigen, die den Wohlstand erschaffen. Alles andere ist nebensächlich. Dies ist das bestgehütete Geheimnis der Welt. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass die Märkte, die Manager, die Investoren und dann wiederum die Börsen Wohlstand schaffen. Es mag ja bis zu einem gewissen Punkt Wahrheit darin stecken aber wer erschuf zum Beispiel den Wohlstand Chinas, der zweitgrößten Wirtschaft heutzutage?

Nicht Darlehen, nicht Manager, nicht Märkte und auch nicht Investoren. China war bankrott nach der Vereinigung in 1949. Die Menschen bauten mit ihren eigenen Händen die großen Dämme, die benötigt wurden, um Energie zu erzeugen und das Land zu bestellen. Ja, es waren die Menschen, das chinesische Volk, die mit ihren nackten Händen das schufen, was China heute ist. Eine alte Zivilisation mit einer langen Geschichte, ja absolut, aber es waren die Menschen selber.

Es ist unumstößlich, das Menschen Wohlstand erschaffen… und kleine Minderheiten versuchen dann, ihn zu stehlen, ihn in ihren Händen zu konzentrieren und zu missbrauchen, um zu beherrschen, um die Mehrheit zu kontrollieren und gleichzeitig zu behaupten, er wäre der eigene Verdienst.

Und die gleichen Beispiele finden sich auch in den meisten Regionen und Kulturen. Aber wir schweifen vom Thema ab…

Ist es etwa Zufall, dass nach Ende des kalten Krieges ein Gürtel von Bürgerkriegen systematisch von verschiedenen US Regierungen im Mittleren Osten und Nordafrika geschaffen wurde? Kriege zwischen Fraktionen des Islams, die für Jahrhunderte friedlich zusammengelebt hatten? Kriege, deren Absicht es scheint, Anarchie zu schaffen und sie solange wie möglich voranzutreiben? Kriege, die mehr auf die Zivilbevölkerung und die Einheit einer Nation ausgerichtet zu sein scheinen als auf spezifische militärische Ziele? Diese Kriege wurden durch militärische Interventionen der USA und ihrer Bevollmächtigter angezettelt. Man muss kein Genie sein um zu verstehen, dass die Zerstörung von Häusern und Infrastruktur sowie blindes Töten von Zivilisten massive Auswanderung hervorbringt und dass die Zerstörung von Religion und Kultur extreme Reaktionen, besonders unter den Jungen, zur Folge hat.

Wohin werden die Menschen auswandern, um zu überleben und ein besseres und sichereres Leben zu suchen? Auf wen werden die Unzufriedenen ihre Wut und ihren Wunsch nach Rache projizieren? Offensichtlich nicht auf die USA, sondern auf Europa. Europa ist kulturell, historisch und durch seine geographische Nähe eng mit dem Kriegsgürtel verknüpft.

All das soll dazu dienen, Europa zu destabilisieren und Unsicherheit und Unstimmigkeiten zwischen den europäischen Staaten zu schaffen. Einen Zustand der Panik zu erzeugen, der die europäische Integration und Entwicklung hemmt und der den Vorwand schafft, die NATO zu stärken und massive Mittel für militärische Zwecke auszugeben. Auf mindestens 2% des europäischen BIP beläuft sich die gewünschte Verpflichtung. Wir sprechen von wahrscheinlich 500 Milliarden Euro…und fragen erst gar nicht, von wem die Waffen gekauft werden sollen! Präsident Obama ließ ein Foto von sich mit den neuesten US Kampfjets und Bomben zirkulieren, als er zum G7 Treffen 2014 nach Europa kam, während der Ukraine-Konflikt in vollem Gange war, und mahnte die Europäer dazu, mindestens 2% ihres BIP für Verteidigung auszugeben.

Und was ist mit der Ukraine? Und die Beziehungen zwischen Europa und Russland?

War es etwas zur Verteidigung der „Demokratie“, dass ein Staatsstreich mit Neonazis aus anti-russischen Minderheiten in Kiew organisiert wurde, um einen Konflikt mit Russland heraufzubeschwören? Die Rhetorik, die vom Maidan-Platz tönte, war ethnisch so dermaßen anti-russisch eingestellt, dass eine Verteidigungsaktion des Stützpunkts der russischen Flotte im Schwarzen Meer auf der Krim erzwungen wurde, wo die absolute ethnische Mehrheit russisch ist, ebenso in Donbass, wo es ähnliche russische Mehrheiten gibt.

Das Ergebnis war ein Krieg am östlichen Tor Europas mit darauffolgenden Sanktionen und Embargo, die die Energieimporte nach Europa empfindlich störten. Sanktionen, die Europa, Russland und die Ukraine teuer zu stehen kommen.

Europas Wirtschaft ist in Schwierigkeiten, die Sicherheitslage ist in letzter Zeit äußerst angespannt und die massiven Migrationen erzeugen einen dermaßen großen Druck auf Europa, dass ihre Konsequenzen über Jahre hinweg zu spüren sein könnten, mit enormen Kosten sowohl für die Menschen als auch für die Wirtschaft.

Diese noch nie dagewesene Reihe von Ereignissen kann wohl kaum auf Washingtons Ungeschicklichkeit zurückgeführt werden. Wie kann der größten Macht in der Welt, die seit 70 Jahren unbehelligt herrscht, solch irrige Politik für eine so lange Zeit zugeschrieben werden? Es ist im Gegenteil ganz offensichtlich eine absichtliche Strategie, um Europa unterzuordnen und zu bremsen, ausgeführt in einer äußerst systematischen und skrupellosen Weise und auf Kosten von Millionen von Zivilbürgern in der muslimischen Welt.

Diese Strategie ist von solch aggressiver und bösartiger Natur mit dermaßen zerstörerischen Auswirkungen auf die Menschen und die Wirtschaft, dass sogar die leichtgläubigsten und unentschlossensten unter den Politikern Europas nunmehr eine kohärente Position dagegen beziehen sollten.

  • Die NATO muss alle militärischen Interventionen einstellen. Gespräche zwischen Europa, dem Mittleren Osten und den nordafrikanischen Konfliktgebieten unter Beteiligung von Saudi Arabien, Iran, Ägypten und Russland müssen initiiert werden.
  • Das Minsker Abkommen muss unter echter Beteiligung von Deutschland, Frankreich, der ukrainischen Fraktionen und Russland vollständig umgesetzt werden und das Handelsembargo (mit Ausnahme auf Waffen) und die Sanktionen aufgehoben werden.
  • Es muss dringend eine gemeinsame Sicherheits- und Einwanderungspolitik vereinbart werden, da sich das Problem weiterhin verschärft.

Europas Führung sollte daher gut nachdenken und sich daran erinnern, dass sie nicht sich selbst, sondern eine halbe Milliarde Bürger in der Region repräsentiert.

Übersetzung aus dem Englischen von Evelyn Rottengatter

Kategorien: Europa, International, Meinungen, Nordamerika
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