Die Geschichte der Waffe, die die Existenz der Menschheit bedroht – die Atombombe (1. Teil)

04.08.2015 - Sabine Bock

Die Geschichte der Waffe, die die Existenz der Menschheit bedroht – die Atombombe (1. Teil)

Warnung an den Präsidenten Franklin D. Roosevelt (USA) vor dem Bau einer Atombombe und der Abwurf auf Hiroshima und Nagasaki

Vor 70 Jahren, am 6. und 9. August 1945, warfen die USA über die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki Atombomben ab, die unzählige Menschenleben forderte. Durch dieses Verbrechen an der japanischen Zivilbevölkerung wurde der 2. Weltkrieg durch eine Machtdemonstration beendet. Der Abwurf war eine politische Entscheidung, um zu demonstrieren, dass die USA stärkste Waffe der Welt besitzen.

Im Jahr 1939 gewinnen die ungarischen Wissenschaftler Leó Szilárd und Eugen Paul Wigner einen der berühmtesten Physiker aller Zeiten, Albert Einstein, eine Warnung vor einer Konstruktion einer Atombombe in Nazi-Deutschland an den US-amerikanischen Präsidenten Roosevelt mit zu unterschreiben. Denn zu dieser Zeit arbeitete der Uran-Verein im Nazi-Deutschland intensiv an der Kernspaltung. Dies beunruhigte die US-amerikanischen und englischen Wissenschaftler sowie die Politiker sehr. Roosevelt widmete sich trotz der politischen und gesellschaftlichen Gegensätze zur Sowjetunion aktiv dem Aufbau der Anti-Hitler-Koalition und hatte entscheidenden Anteil an der Definition der alliierten Kriegsziele gegen die Achsenmächte, den Verbündeten des Deutsche Reiches, insbesondere Italien und Japan. Unter seiner Führung erfuhr die US-Außenpolitik eine neue Ausrichtung.

Der Appell an Roosevelt wurde erhört. Im Jahr 1942 beginnt in Los Alamos unter dem Namen „Manhatten-Projekt“ die Entwicklung der US-amerikanischen Atombombe. Robert Oppenheimer wird wissenschaftlicher Leiter des Projekts. Das Gesamtprojekt lag in den Händen von General Leslie Grove. Albert Einstein war nicht direkt beteiligt. In seinen Memoiren vertritt Einstein aber die Auffassung, dass er sich zu leichtfertig von der Notwendigkeit der Unterzeichnung dieses Briefes an Roosevelt überzeugen ließ. Am 16. November 1954 sagte er zu seinem alten Freund Linus Pauling:

„I made one great mistake in my life — when I signed the letter to President Roosevelt recommending that atom bombs be made; but there was some justification — the danger that the Germans would make them.“

„Ich habe einen schweren Fehler in meinem Leben gemacht – als ich den Brief an Präsident Roosevelt mit der Empfehlung zum Bau von Atombomben unterzeichnete; aber es gab eine gewisse Rechtfertigung dafür – die Gefahr, dass die Deutschen welche bauen würden.“
– Albert Einstein: Aufzeichnung Linus Paulings

Am 16. Juli 1945, 5:29:45 Uhr Ortszeit zündete die USA bei einem Kernwaffentest die erste Atombombe unter dem Namen Trinity-Test (dt. Dreifaltigkeit) in der Wüste von New Mexico. Auch der deutsch-britische Kernphysiker und spätere Spion Klaus Fuchs war bei dieser Explosion dabei. Die Sprengkraft dieser neuartigen Waffe überstieg alle Abschätzungen der Wissenschaftler.

Der Abwurf von zwei US-amerikanischen Atombomben auf Japan

Am Morgen des 6. August 1945, um 8.15 Uhr, wird die erste Atombombe über der japanischen Stadt Hiroshima von den Amerikanern von einem B-29-Bomber aus als „Waffe“ eingesetzt. Sie wird nach dem Abwurf im Flug in einer Höhe von 580 Metern gezündet. Dadurch werden zwei Drittel der Stadt vernichtet, mit mehr als 200 000 Toten. Am 9. August wird die Stadt Nagasaki Opfer der zweiten Atombombe.

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Explosion der Atombombe von „Fat Man“ vor 70 Jahren über der japanischen Stadt Nagasaki. Das Foto „Nagasakibombe“ von Charles Levy wurde nach dem Abwurf aus dem B-29 Bomber aufgenommen. (Bild: Wikimedia Commons)

Der gleißende Blitz der Explosion brannte Schattenrisse von Personen in stehengebliebene Hauswände ein, ehe die Menschen verdampften. Die überwiegend unmittelbar bei der Explosion freigesetzte nukleare Strahlung tötete in den Wochen darauf zahlreiche weitere Einwohner, die zwar nicht der unmittelbaren Druck- und Hitzewelle zum Opfer gefallen waren, jedoch tödliche Strahlendosen erhalten hatten. Viele, die vor der unerträglichen Hitze an den Fluss geflohen waren und von kontaminiertem Wasser tranken, hatten daraufhin Haarausfall, bekamen purpurrote Flecken am ganzen Körper und verbluteten dann qualvoll an inneren Verletzungen. Die Bombe tötete 90 Prozent der Menschen in einem Radius von 0,5 Kilometern um das Explosionszentrum.

Nie zuvor in der gesamten Menschheitsgeschichte waren so viele Menschen durch die Wirkung einer einzigen „Waffe“ zu Tode gekommen. Hiroshima und Nagasaki zählen bis heute wohl zu den barbarischsten Momenten in der Geschichte der Menschheit.

Die Gegner des Atombombenabwurfs und der Friedensbewegung argumentieren bis heute, dass die Abwürfe militärisch nicht mehr nötig waren, da Japan schon Kapitulationsbereitschaft signalisiert habe. Der Krieg sei in kurzer Zeit auch ohne die Atombombenabwürfe beendet worden.

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„Atomarer Effekt-Hiroshima“ – Anblick auf die zerstörte Stadt Hiroshima vom Krankenhaus aus (Bild: Wikimedia Commons).

Die damals geschätzten Opferzahlen lagen bei den US-Streitkräften im Bereich von Zehntausenden, nicht Hunderttausenden Menschen. Die Atombombeneinsätze gegen die beiden japanischen Städte und ihre zivilen Bevölkerung als einkalkulierte Opfer sind ethisch nicht zu verantworten. So war besonders der Einsatz der Atombombe in Nagasaki laut Martin Sherwin „bestenfalls sinnlos, schlimmstenfalls Völkermord“.

Auf das Datum der Abwürfe der Atombomben beziehen sich auch viele Initiativen der internationalen Friedensbewegung, etwa die Teilnehmer an den Ostermärschen, die Internationalen Ärzte gegen den Atomkrieg und viele andere. In Deutschland kam es bereits 1957 zur Kampf-dem-Atomtod-Bewegung gegen die geplante Atombewaffnung der Bundeswehr, einer ersten breiten außerparlamentarischen Opposition.

Zweiter Teil

Wissenschaftliche Beratung: Rudolf Herrmann

Kategorien: Frieden und Abrüstung, International
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